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Wyhl 30 Jahre danach: Erinnerungsgottesdienst
Kritik am "halbmaroden" Fessenheim
WYHL AM KAISERSTUHL (gh 27.2.05). Die dreitägige Erinnerungsfeiern zur Bauplatzbesetzung am damals geplanten Atomkraftwerk gingen am Sonntag mit einem Gottesdienst zu Ende. "Unser Protest gegen das geplante KKW auf Whyler Gemarkung hat viel Gutes gezeugt", sagte der ehemalige evangelische Pfarrer von Weisweil und Wyhl, Günter Richter, in seiner Predigt vor rund 300 atomkraftkritischen Gottesdienstbesuchern.

Der Bauplatz, direkt am Rhein gelegen, war am 18. Februar 1975 von Atomkraftgegnern besetzt worden, nachdem zuvor die Bauarbeiten mit Waldrodungen begonnen hatten. Die kirchliche Feier, die ursprünglich am Gedenkstein ("Nai hämmer gsaid") im Wyhler Wald geplant war, musste am Wochenende allerdings wegen eines eisigem Windes und Schneetreibenes kurzerhand in die katholische Kirche des Ortes verlegt werden. So kam es zu dem Kuriosum, dass die Atomkraftgegner nach drei Jahrzehnten erstmals die Gelegenheit erhielten sich in dem Ort Wyhl in einem öffentlichen Raum zu treffen, sagte Georg Löser, ein Experte der Geschichte der Anti-AKW-Bewegung.

Für Pfarrer Richter sei das Geschehen um das AKW Wyhl vor 30 Jahren die "Stunde Null" gewesen, sagte der frühere Gemeindeseelsorger in der Predigt. "Ich erkannte, dass in den Schöpfungsberichten nicht nur davon die Rede ist, uns die Erde untertan zu machen, vielmehr sollen wir sie zu bebauen und bewahren". Dies hieße nichts anderes, als dass "wir nachdenklich, nachhaltig und sorgsam mit Gottes Schöpfung unter die Füße zu nehmen haben", so der Theologe. Er bezeichnete das Kernkraftwerk im elsässischen Fessenheim, das rund 30 Kilometer südlich von Wyhl liegt, als "halbmaroden Atomkasten". Und im Blick auf die Landesregierung sagte Richter, der vor seinem Ruhestand auch Vorstandsvorsitzender im Freiburger Diakoniekrankenhaus war, die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen müssten den designierten Ministerpräsidenten Öttinger warnen, in die "Fußstapfen seiner heutigen Kultusministerin Schawan hinein zu tappen".

Schließlich zählte der ehemalige Gemeindepfarrer aus dem kleinen Kaiserstuhldorf auf was Gutes aus dem Anti-AKW-Protest hervorgegangen sei: Das Öko-Institut, die Regio-Fahrkarte, die Öko-Hauptstadt Freiburg und auch die Gründung der Partei "Die Grünen". Dies seien "Highlights" die gut täten nach all dem Einsatz von damals bis heute.

Nach dem Gottesdienst trafen sich Interessierte zu einem Rundgang auf dem verschneiten ehemaligen Bauplatzgelände im Wyhler Wald




Sozialwissenschaftler aus Japan waren zu Gast bei den Feierlichkeiten. Sie interessieren sich besonders für die Geschichte des Anti-Atom-Widerstands. Hier am Gedenkstein nahe beim ehemaligen Bauplatzgelände.

Fotos G. Hammer

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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg