Freiburg (gh). Sie fordern eine Sozialethik, die auf Bescheidenheit basiert“, mehr Arbeitsplätze im Umweltschutz und im „sozialen und personenbezogenen Dienstleistungssektor“ sowie Rentensysteme „die auf den Generationenvertrag statt auf eine individuelle Kapitalanlage gründen“. Christinnen und Christen aus Baden, dem Elsass und der Nordwestschweiz erarbeiteten am Wochenende (26./27. 3. 2010) in Freiburg eine Erklärung mit der sie sich gleichermaßen an ihre Kirchen und die Öffentlichkeit wenden. Bei einer Studientagung in der Fortbildungsakademie des Deutschen Caritasverbandes waren Vertreter von evangelischen und katholischen Organisationen und Verbänden aus der Arbeitswelt grenzüberschreitend zusammen gekommen, um in der aktuellen Wirtschaft- und Finanzkrise Ermutigung und Orientierung zu entwickeln.
Aus Baden waren der (evangelische) Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA), Südbaden und die Arbeitnehmerseelsorge der Erzdiözese Freiburg beteiligt. Aus dem Elsass wirkten mit die protestantische „Mission dans l’Industrie Sud Alsace (MISA), und die Action Catholique Quvierère (ACO), sowie das ebenfalls katholische Mouvement Chrétien des Cadres et Dirigeants (MCC) . Mit dabei war auch ein ökumenisch orientierter Zusammenschluss von Unternehmern im Elsass (EDC).
Die länder- und konfessionsübergreifende Tagung der engagierten Kirchenleute wollte vor allem die bisherigen Reaktionen ihrer Kirchen wahrzunehmen und eine europäische Perspektive in den Blick zu nehmen. In ihre Analyse sind sie sich einig: „Hinsichtlich der Wirtschafts- und Finanzkrise habe wir eine Übereinstimmung bei den Auswirkungen in unseren drei Ländern festgestellt.“ Der Graben zwischen reichen und Armen vertiefe sich, Menschen die jetzt schon in „schwierigen Lebenslagen“ sind würden zunehmend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. So fordern die Vertreter der fünf protestantischen und katholischen Arbeitsorganisationen von ihren eigenen Kirchen „ein klares Wort zugunsten der Schwachen und beispielhaftes handeln. Die Kirchen müssten sich auf der „Seite der Leidenden engagieren, heißt es. „Wir wollen nicht, dass uns unsere Kinder einst Passivität verwerfen“, heißt es am Ende der Erklärung, die in deutscher und französischer Sprache verfasst ist.
Besondere Sorge macht den Verfassern die andauernde Arbeitslosigkeit. „Arbeit, selbst wenn sie keine Vorbedingung menschlicher Würde darstellt, ist ein Grundrecht jedes Menschen.“ Arbeitslosigkeit dürfe nicht schicksalhaft hingenommen werden. Gleichzeitig fordern die Christen das „Recht auf eine Grundsicherung“ wenn Menschen der Zugang zu bezahlter Arbeit verschlossen sei.
Weiterhin wird die Stärkung „weltweiter Regelungsmechanismen zu Besteuerung von Finanztransaktionen, zur Kontrolle der spekulativen Finanzgeschäfte und die Abschaffung von Steueroasen“ gefordert. Auf europäischer rund globaler Ebene müssten Regelungen voran gebracht werden, die den freien Warenaustausch, der Achtung grundlegender sozialer Rechte unterordnet. Zudem müsse es eine gemeinsame Sozialpolitik in Europa geben.
Die augenblickliche Krise rufe „uns die Sackgassen ins Bewusstsein“, in die unsere Lebensweise und Wirtschafts- und Sozialordnung zu führen drohe. Die Verantwortlichkeit gegenüber der Zukunft müsse daher erhöht werden. Jetzt gälte es die entwickelten hoffnungsvollen Perspektiven innerhalb einer „nachhaltigen sozialen Marktwirtschaft“ durch handeln zu bekräftigen, schließt die Erklärung.
Die Erklärung in französischer und deutscher Sprache finden sie HIER
28. 3. 10
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