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| Der Rektor der Evangelischen Hochschule Professor Reiner Marquard überreicht als Dank und Anerkennung den "goldenen Bären" aus Plüsch an die Crew des Vielfalt-Projekts um Professorin Steinhilber (2. v. l) und Jugendzentrumsleiterin Seebacher (2. v. r.) sowie Professor Tomanbay (3. v. r.) und das Filmteam. (Fotos: Günter Hammer) |
Freiburg (gh). Er sei noch nie so weit gereist um sich einen Film anzuschauen, sagt Ilhan Tomanbay. Der Professor für Soziale Arbeit kommt von der Hacettepe Universität in Ankara, mit über 27.000 Studierenden einer der größten Hochschulen in der Türkei. Er sah am vergangen Samstag (6. 2. 10) gemeinsam mit rund 250 Premierengästen den Dokumentarfilm "anders ist anders" im Freiburger Kino Harmonie. Der 90 Minutenstreifen zeigt wie Jugendliche und Studierende aus Freiburg türkischen Studentinnen und Studenten begegnen, sich austauschen und wie sie ihre Unterschiedlichkeiten nicht als Gegensätze sondern als Chance der Vielfalt erfahren. Professor Tomanbay, der ausgezeichnet deutsch spricht, strahlt vor der Kinoleinwand über das ganze Gesicht, er ist mit dieser Entwicklung sichtbar zufrieden. Mit der Premiere des Dokumentarfilms findet das Projekt "Vielfalt erfahren und inszenieren, plurale Identitäten fördern." seinen Abschluss.
Vor genau einem Jahr wurde das deutsch-türkische Bildungs- und Begegnungsprojekt gestartet. Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit der Evangelischen Hochschule kamen, am Sitz der Hochschule im Stadtteil Weingarten, mit Professorin Beate Steinhilber zusammen, um mit Jugendlichen, die sich gerade mal 100 Meter nebenan im Kinder- und Jugendzentrum sich treffen in Kontakt zu kommen. Der Professorin war es wichtig, dass sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Studierenden ihre unterschiedlichen Lebenswelten und "Vielfachzugehörigkeiten nicht als defizitär gesehen werden, vielmehr sollen sie als besondere Ressource erfahren werden". Dazu wollte man sich auch mit Studenten desselben Faches in der Türkei treffen, denn viele Jugendliche, die in Jugendzentrum kommen haben ihre familiären Wurzeln in der Türkei.
So kann es über der ganze Jahr 2009 hinweg immer wieder zu Begegnungen vor allem in Form vom Workshops in denen die verschiedenen familiären und gesellschaftlichen Hintergründe der Jugendlichen und Studierenden erarbeitet wurden. Höhepunkt des Projekts war dann eine Reise nach Ankara, wo sich vor allem die deutsch-türkischen Jugendlichen in einer völlig neuen Rolle erfahren konnten. Sie sprechen die Landessprache, kennen die Kultur und werden so für die deutschen Studenten zu interkulturellen Experten. Zugleich erfahren sie von der türkischen Seite eine Mischung aus Bewunderung und Ressentiments; leben sie doch weit weg im reichen Deutschland und sind nicht mehr so ganz Teil der türkischen Kultur. Und auch der Gegenbesuch der türkischen Studierenden erweist sich in seien vielfältigen Ausgestaltung als bereichernd, steckt doch das Fach Sozial Arbeit in ihrem Land noch in den Kinderschuhen.
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| Die Regisseurin (li.) und das Team der Mitwirkenden vor und hinter der Kamera |
Der Dokumentartfilm von Nuria Gomez Garrido, die mit ihrem Team die zahlreichen Begegnungen begleitet hat, versucht bei all diesen teilweise undurchsichtigen und verworrenen gruppendynamischen Prozessen dran zu bleiben. Die Regisseurin von der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen hat mit dieser vielfältigen Dynamik und der Vielfalt des gedrehten Materials deutlich zu kämpfen. So ist eine Dokumentation entstanden, die mit dynamischer Kamera und hervorragendem Schnitt die Anstrengungen, die Erfolge aber auch die Frustration alltäglicher Sozialer Arbeit abbildet. Es ist ein unaufgeregter aber dennoch sehr spannender Streifen, der letztlich sogar mit einem Happy End aufwarten kann. Denn das umfangreiche und vielfältig-schöne und komplizierte Projekt ist, genau wie der Dokumentarfilm, gelungen. So wurde auch der Untertitel von "anders ist anders" Wirklichkeit und nachvollziehbar "Wie man lernt, mit Vielfalt und Differenz umzugehen".
Im kommenden Sommer wird es noch ein Buchdokumentation des Projekts geben. Dann kann der Film auch als DVD gekauft werden.
8. 2. 10
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