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Der protestantische Talar wir 200 Jahre alt
Luther trug schon den schwarzen Talar aber auch farbige Gewänder Preußenkönig erließ 1811 eine Order
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Freiburg (gh). Mit Jahresbeginn feiert ein ungewöhnliches Kleidungsstück seinen 200. Geburtstag. Der schwarze Talar mit dem weißen Beffchen, den evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer bei Gottesdiensten tragen, hat in neunen Jahr Jubiläum. Darauf hat jetzt der Freiburger Gemeindepfarrer und Kirchenhistoriker Ulrich Bayer hingewiesen. Im „Gemeindebrief der Markuskirche“ berichtet er, dass am 1. Januar 1811 eine Kabinettsorder des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. in Kraft getreten ist, wonach alle evangelischen Geistlichen verpflichtet wurden den Talar zusammen mit dem Beffchen zu tragen. In den vergangenen zwei Jahrhunderten sei der Talar seither zu einem „Markenzeichen des Protestantismus“ geworden, „ein Stück unserer Identität“, so der promovierte Theologe.
Eigentlich ist der Talar schon viel älter als zwei Jahrhunderte, denn das schwarze Kleidungsstück war die Amtstracht der Universitätsprofessoren. Martin Luther hat ihn dann auch seit Beginn der Reformation bei seinen Gottesdiensten getragen. Aber erst durch die Kabinettsorder Friedrich Wilhelms, wurde alle protestantischen Pfarrer verpflicht die schwarze Amtstracht zu tragen. Der preußische König konnte diese Anordnung machen, weil in jener Zeit alle protestantischen Pfarrer staatliche Beamte waren. Im Jahr 1817 wurde die Verordnung dann auch auf jüdische Rabbiner in Preußen ausgedehnt, die seither den gleichen schwarzen Talar tragen wie die protestantischen Pastoren. Nach und nach wurde der schwarze Talar dann in den Landeskirchen eingeführt und nach der Auflösung der Monarchie wurde diese Tradition beibehalten. Den „EKD-Offiziellen in Hannover“ sei das Talar-Jubiläum wohl entgangen, so Bayer in seinem Gemeindebrief.
Das Beffchen das zur Pfarrerstracht gehört war im 17 Jahrhundert ein Kleidungsstück des bürgerlichen Mannes. Erst mit der Order des Preußenkönigs wurde es in den Rang eines offiziellen Teils der Amtstracht erhoben. Ursprünglich sollten mit den beiden langen weißen Leinenstücken Männer die ihren Bart modisch einpuderten das darunter liegende Hemd zu schützen.
Für den calvinistischen Preußenkönig gab einen klaren Grund für seine Verordnung. Es war ihm um der „Gleichförmigkeit willen und um der Willkür zu wehren“, heißt es in dem Gesetzestext. Denn bis zu ins 18. Jahrhundert war es durchaus üblich, dass in evangelischen Kirchen der Geistliche in farbigeren Gewändern vor die Gemeinde trat. In protestantischen Kirchen in skandinavischen Ländern ist das ja bis heute noch Tradition. Auch Luther selbst trug Farbiges vor allem bei Kasualien (z. B. Abendmahl) an. Das knöchellange schwarze Gewand der Professoren, den Talar, trug er vor allem bei seinen Predigten.
„Für mich ist der Talar ein gewisser Schutz, ich fühle mich im Auftreten sicherer“, sagt Pfarrer Bayer. Er trägt seine gottesdienstliche Kleidung, der bis zu den Knöcheln reicht ganz bewusst und sieht sich dadurch auch in der Tradition Martin Luthers. Außerdem, fügt der Seelsorger schmunzelnd hinzu nivelliert der Talar auch etwas die Figur.
27. 12. 2010 |
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