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Erstmals in Deutschland Stiftung für Krankenhausseelsorge
Stiftung Kranke Begleiten startete in Freiburg
Freiburg (gh). Die Evangelische Landeskirche in Baden hat in Freiburg eine, nach Angaben des Oberkirchenrats, bundesweit einmalige "Stiftung Kranke Begleiten" der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Historischen Kaufhaus, am Münsterplatz gelegen, trafen sich am Montagabend (21. 6. 04) Vertreter von Kirche, Politik und Wirtschaft um sich über Ziele und Inhalte der neuen kirchlichen Stiftung zu informieren. Oberkirchenrat Michael Nüchtern erklärte die "Stiftung Kranke Begleiten" wolle die Krankenhausseelsorge in Krankenhäusern in Baden fördern und, angesichts zurückgehender Kirchensteuereinnahmen, auch zur Sicherung von Seelsorgestellen beitragen. Die Landeskirche werde 250.000 Euro in die Stiftung einbringen. Damit aber wenigstens eine halbe Stelle aus dem Stiftungsertrag finanziert werden könne, bräuchte man eine Million Euro, hieß es.

Im Mittelpunkt des Abends stand unter der Moderation von Werner Witt (SWR 2) ein öffentliches Gespräch zum Thema: "Brauchen Kranke Seelsorge" an dem der Bundespolitiker Wolfgang Schäuble (CDU), der Rektor der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, Professor Christoph Schneider-Harpprecht und die Klinikseelsorgerin Isabel Overmans teilnahmen. Schäuble berichtete von seinen Erlebnissen direkt nach dem Attentat (Oktober 1990) auf ihn. "Ich gehörte zu den Privilegierten", sagte der ehemalige Bundesinnenminister, "denn als ich aus dem Koma erwachte habe ich viel Zuspruch erhalten". Und im Blick auf Erfahrungen mit Krankenhausseelsorger in jener schweren Zeit angesprochen meinte Schläuble schmunzelnd: "Ich war ein Sonderfall, da sind gleich die Bischöfe gekommen". Der Politiker bezeichnete die Krankenhausseelsorge als Chance in anderer Weise mit existentiellen Lebensfragen und dem Glauben in Berührung zu kommen.

Krankenhausseelsorgerin Isabel Overmans berichtet von ihren Erfahrungen, dass viele Patienten angesichts schwerer Krankheit oder Unfall "überlegen was ist noch wichtig im Leben". Das christliche Menschenbild könne hier Orientierung geben, so die Pfarrerin. Sie plädierte dafür, dass auch die Krankenhäuser selbst sich der Finanzierung der Seelsorgearbeit beteiligen. Sie betonte auch die praktizierte Zusammenarbeit mit Seelsorgern anderer Konfessionen und Religionen.

Dass die Krankenhausseelsorge überall zu einer eigenen Abteilung in den Kliniken ausgebaut werden müsse, forderte der Rektor der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, Christoph Schneider-Harpprecht. Zwar sei dies in einigen kirchlichen Häusern schon weit vorangebracht, doch in den meisten Krankenhäusern werde verkannt, wie wichtig die Beitrag der Seelsorgerinnen und Seelsorger zur Bewältigung einer Krankheit sei. Die Seelsorge könne einen wertvollen Beitrag zum Heilungs- und Genesungsprozess leisten, so der Pastoralpsychologe. Daneben helfe die Seelsorge auch die Auseinandersetzung mit dem Alltagsleben innerhalb eines Krankenhauses zu verarbeiten. Auch für die Begegnung mit Angehörigen von Patienten seien die Seelsorger diejenigen, die mit "ihnen reden und arbeiten", sagte Schneider-Harpprecht, der ehemals ein Ausbildungsinstitut für Klinische Seelsorgerarbeit in Bethel geleitet hatte. Auch er vertrat die Meinung, dass die christliche Krankenhausseelsorge die "Türen für Seelsorge andere Religionen öffnen" müsste.

Auch der Sozial-Bürgermeister der Stadt Freiburg hatte betont wie wichtig die Krankenhausseelsorge sei. "Kranke begleiten", diese Worte würden zwar selbstverständlich klingen, doch stünde im Klinikalltag immer weniger Zeit für "die persönliche Ansprache" zur Verfügung.

Schließlich erklärte Landesbischof Ulrich Fischer, dass nicht nur Kranke das "Segensreiche der Krankenhausseelsorge erleben". Auch die Seelsorger selbst würden durch die "Wirkungen des Zuhörens beschenkt werden". Fischer zeigte sich gewiss, "dass die Stiftung Hoffnung stiftet".

Die Stiftung kann durch Spenden und steuerlich günstige Zustiftungen unterstützt werden. Auch persönliche Stiftungen können ab 50.000 Euro in die Stiftung Kranke Begleiten eingegliedert werden. Informationen gibt es bei Kirchenrat Wolfgang Burkhardt (Tel: 0721 9175 353) und Oberkirchenrat Dr. Michael Nüchtern (Tel: 0721 9175 300) beide in Karlsruhe. Die Bankverbindung lautet: Stiftung Kranke Begleiten Evang. Kreditgenosschenschaft (BLZ 66060800) Konto-Nr. 500 011.



Landesbischof Fischer geht in Freiburg neue Wege. Mit der bundesweit einmaligen stiftung soll die Krankenhausseelsorge unterstützt werden.




Das Gespräch im Historischen Kaufhaus wurde für SWR 2 aufgezeichnet

Wofgang Schäuble (li) berichtete von seinen Erfahrungen nach dem Attentag. Neben ihm Moderator Werner Witt.

Christoph Schneider-Harpprecht und Isabel Overmans





Kranken mit dem eigenen Vermögen helfen.
Landeskirchliche Neugründung startet in Freiburg
Stiftung Kranke begleiten
FREIBURG. (gh) Die Seelsorge an Kranken und Sterbenden ist eine zentrale Aufgabe der christlichen Gemeinden von Anfang an. Auch in unserer technisierten Gesellschaft, in der die moderne Medizin ständig, meist zum Wohl des Menschen, voran schreitet ist das so geblieben: Menschen brauchen Menschen, die kompetent und einfühlsam sind, in der Pflege und Medizin, besonders aber auch für die Seele, mitten im Schmerz, mitten im Leid, mitten im Krankenhaus. Deshalb gibt es in den modernen Kirchen schon seit Jahrzehnten spezielle Krankenhausseelsorgerinnen und –seelsorger, die nach gründlicher Ausbildung für die Bewältigung von seelischem Leid bei großen und kleinen Patienten in den Kliniken da sind.

Gerade in aktuellen Lage des Gesundheitswesens und unserer Gesellschaft, in einer Phase des wirtschaftlichen Umbruchs, möchte die Evangelische Landeskirche in Baden möchte, ihr Engagement in der Krankenhausseelsorge in Baden verstärken. Doch das ist in Zeiten sinkender Kirchensteuermittel leichter gesagt als getan. Eine gute Idee ist: Mit der Errichtung der Stiftung ´Kranke begleiten´ soll die Krankenhausseelsorge in einzelnen Kliniken langfristig abgesichert werden.

"Man braucht einen unabhängigen, verständigen und guten Gesprächspartner, der die Seele der Eltern öffnet, der sie zum Reden bringt", sagt Daniele H, Mutter der kleinen Katharina, die 8 Monate stationär in einer Freiburger Klinik behandelt wurde. Oder: "Ich brauche jemanden, dem ich am Ende meines Lebens sagen kann was mich drückt und die gut zuhört und Zeit für mich hat", so die 85-jährige Mathilde M., die in einer anderen Klinik sein muss. Und recht häufig gibt es für die Seelsorgerinnen auch Situationen, in denen ein offenes Ohr oder ein einfühlsames Wort weiterführt und einmündet in ein Gebet, einen zugesprochenen Segen oder ein anderes Ritual, das in einer haltlosen Zeit wieder Halt geben soll..

"In wohltätigen Stiftungen und Schenkungen zeigen sich Engagement und Mitverantwortung von Christinnen und Christen", heißt es in der Satzung der neuen Stiftung: Kranke begleiten. In diesem Engagement drücke sich auch Dank an Gott für die Bewahrung und den neuen Lebensmuts aus, wird in dem Papier weiter formuliert. So ist denn auch die Hoffnung der Verantwortlichen groß, viele Menschen zu finden, die bereit sind von ihrem Vermögen etwas für die "Stiftung Kranke begleiten" einzusetzen.

Die Landeskirche stellt ein Startkapital der Stiftung zur Verfügung. Durch Möglichkeit von Zustiftungen und Schenkungen wird dieses Eigenkapital erhöht, aus dessen Erträgen die Krankenseelsorge gefördert werden soll.

Zur Stiftungsgründung lädt die badische Landeskirche zu einer Auftaktveranstaltung im Historischen Kaufhaus in Freiburg ein. Am Montag, den 21. Juni 2004, um 19.30 Uhr wird die Stiftung vorgestellt. In einer Talk-Runde werden sich profilierte Menschen des öffentlichen Lebens sowie Fachleute unterschiedlicher Disziplinen zur Seelsorge äußern, unter anderem Dr. Wolfgang Schäuble und Landesbischof Dr. Ulrich Fischer. Ein attraktives Programm soll über die Anliegen der Krankenhausseelsorge sowie über die Stiftungsgründung informieren.

Helfen Sie mit, die Stiftung Kranke begleiten zu unterstützen und zu sichern. Schon jetzt können Sie Beträge auf das Konto 500 011 bei der Ev. Kreditgenossenschaft e.G. Karlsruhe (BLZ 660 608 00) mit dem Verwendungszweck "Stiftung Kranke begleiten" einzahlen.

Wenn Sie Fragen in Bezug auf die Stiftung haben, können Sie Kontakt aufnehmen mit

Oberkirchenrat
Dr. Michael Nüchtern
Tel. 0721 9175-300

michael.nuechtern@ekiba.de

oder an

Dekan Dr. Traugott Schächtele

dekanat@kirchenbezirk-freiburg.de

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