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Irak-Krieg



Stellungnahme des Dekans zum Beginn des Irak-Krieges
Unser Gebet und unser Einsatz waren nicht umsonst
Seit Donnerstag sind die Kampfhandlungen im Irak im Gange. Dies hat auch in unserer Region viele Menschen bestürzt und in Sorge versetzt. In vielen Erklärungen der politischen Seite wie auch führender Kirchenvertreter wird deutlich darauf hingewiesen, dass die Entscheidung für den militärischen Einsatz vor der Ausschöpfung aller anderen Mittel und insbesondere im Blick auf die Rolle der UN und des Völkerrechtes eine falsche war, deren langfristige Folgerungen wir noch gar nicht wirklich absehen. "Krieg ist ein grausames, von Menschen gemachtes Geschehen, das unzählige unschuldige Menschen betrifft, schädigt oder sie sogar vernichtet." Dies haben etwa die vier Bischöfe Baden-Württembergs in ihrer erfreulich klaren Erklärung betont. Zusammen mit ihnen nehmen sie alle Christinnen und Christen in die Pflicht, wenn sie sagen: "Wir wollen alles in unseren Kräften Stehende tun, dass Frieden wird."

In vielen Stellungnahmen ist immer wieder auch vom Scheitern die Rede: vom Scheitern der Diplomatie, vom Scheitern im Blick auf eine wirksame Umsetzung der kirchlichen Position gegen diesen Krieg, vom Scheitern auch des Einsatzes vieler Menschen guten Willens weltweit. Demgegenüber können wir aber dankbar festhalten: Auch wenn wir diesen Krieg am Ende nicht haben verhindern können - wir sind mit unseren Friedensgebeten und unserem Einsatz für den Frieden nicht gescheitert! Die klare und eindeutige Position der allermeisten Kirchen, auch in den USA, hat eine neue weltweite ökumenische Verbundenheit deutlich sichtbar und unüberhörbar zum Ausdruck gebracht. Die Möglichkeit kriegerischer Aktivitäten als Option des politischen Handelns für viele wieder neu in Frage gestellt. Dass gerade die Kirchen hier zu einer zuletzt oft vermissten Eindeutigkeit zurückgefunden haben, macht Hoffnung. Hoffnung machen auch die zahlreichen öffentlichen Reaktionen gegen diesen Krieg, auch bei den vielen Schülerinnen und Schülern. Gerade junge Menschen haben ein besonders sensibles Gespür für die Anteile von recht oder Unrecht im Handeln der Erwachsenen. Nicht zuletzt die zahleichen Aktionen und Friedensgebete haben in vielen Gemeinden Menschen einander näher gebracht und Gelegenheiten geschaffen, über den eigenen Glauben zu sprechen.

Die Berichterstattung der Medien erleben viele Menschen eher zwiespältig. Auf der einen Seite besteht die Erwartung einer angemessenen Information. Dem steht unser Wissen entgegen, dass in Kriegszeiten alle Seiten die Information als Mittel der Kriegsführung selber einsetzten und an einer wirklichen Transparenz des jeweiligen Handelns kein Interesse besteht. Nicht selten hat die auf tendenziösen und wenig ergiebigen Quellen basierende Information der Öffentlichkeit etwas voyerghaftes und zugleich unangemessen und hilflos "geschwätziges". Eine wirkliche Alternative dazu haben wir nicht. Um so mehr sind wir darauf angewiesen, uns mit der nötigen kritischen Distanz um ein Bild der Vorgänge dieses Krieges zu bemühen und vor allem die Opfer nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die württembergische Landeskirche hat angeregt, das tägliche 18-Uhr-Geläut bewusst als Aufruf zum Frieden zu verstehen. Die ACK-Freiburg hatte Ähnliches auch schon für das vormittägliche 11-Uhr-Geläut angeregt. Auch über ein solches unüberhörbares Mahnzeichen zum Frieden im Sinne eines Aufrufes zum Gebet sollten wir nachdenken.

Wichtig ist jetzt vor allem, dass wir mit unserem Einsatz für den Frieden jetzt nicht aufhören. Dabei sollten wir aus dem Wissen um unsere begrenzte Einsicht auf einseitige und undifferenzierte Schuldzuweisungen, die in ihrer Pauschalität selber wieder zu Unrecht werden können, verzichten. Der Weg zu Gerechtigkeit und Frieden, auch in weltweiter Perspektive, ist keiner, auf dem wir uns vorschnell ausruhen können. Jeder Gottesdienst, den wir feiern, sollten wir noch mehr als ohnehin üblich bewusst als Innehalten auf dem Weg zur Anteilhabe an Gottes Schalom gefeiert werden. Möglichkeiten dazu gibt es genug. Der Predigttext für den kommenden Sonntag (23. März 03) Oculi spricht vom Ernst der Nachfolge und davon, dass wir dabei unser Leben als auch Weg durch die Heimatlosigkeit erfahren, der uns nicht dazu verführen soll, unser Heil im Rückzug zu finden. Wenn wir diesen Text ernst nehmen, ist die Brücke, auf der unsere Gottesdienste zu einem tröstenden Ort inmitten der Bedrohung und des Unfriedens werden können, hilfreich vorgegeben.

Der Ökumenische Kirchentag in Freiburg, der an diesem Wochenende stattfindet, hat wie der in Berlin das Motto "Ihr sollt ein Segen sein". Zu einem Segen können wir auch werden, wenn wir unsere Aufgabe annehmen, in dieser Welt als Friedensstifter zu wirken.

Traugott Schächtele, 21. März 2003

Dekan Traugott Schächtele


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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg