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Hintergrund



Was ein Fachhochschulzertifikat bewirkt

Sport und Soziale Arbeit gehören zusammen

Freiburg / Köndrigen - Die SG Köndrigen-Teningen wurde in der vergangen Saison baden-württembergischer Vizemeister im Hallenhandball und ist in die Regionalliga aufgestiegen. 1100 Zuschauer in der Köndriger Ludwig-Jahn-Halle seien "verzückt" gewesen als die Handballer ihr Spiel in der Aufstiegsrund gegen Leipzig gewonnen hatten, hieß es in der lokalen Presse. Die Mannschaft ist populär in der Doppelstadt und im gesamten nördlichen Breisgau. "Handball ist eine große Nummer im Ort", sagt Jugend-Trainer Robert Korb. Er kümmert sich um die D-Jugend, die Zehn- bis Zwölfjährigen, die es später auch einmal schaffen sollen ganz vorne in der Liga mitzuspielen.

Der handballengagierte 24-Jährige sieht aber nicht nur die rein sportlichen Seiten im Verein und im Ort. Als im vergangen Jahr ein Mädchen nach einem Vereinsfest mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden musste war das für Korb und einige andere Verantwortliche ein unübersehbares, ein deutliches Signal. "Wir mussten etwas tun, auch im Sportverein", sagt der Sozialpädagoge, der zu jener Zeit noch an der Evangelischen Fachhochschule (EFH) in Freiburg studierte. Es wurde ein Projekt zur Suchtprävention entworfen und umgesetzt. Jetzt, nach seinem Abschluss will der Sozialpädagoge einen Schritt weiter: Wenn alles gut geht, könnte der Förderkreis des Handballvereins gemeinsam mit der Stadt eine Honorarstelle für Sport und soziale Arbeit einrichten und belastete, sogenannte schwierige Jugendliche unterstützen. Das wäre neu in der Vereinslandschaft in Südbaden. Für einen 300-Mitgliederverein wie den SG Köndrigen-Teningen wäre es aber auch eine große Chance, meint Robert Korb. Denn ein Sportverein habe einen besonderen Zugang zu Kindern und Jugendlichen. "Es könnten Dinge bei Kindern und Jugendlichen aufgefangen werden, die Lehrer und Eltern nicht abfeden können", so die Erfahrung des Pädagogen. Denn "wer sich disziplinär in einer Mannschaft nicht eingliedern kann hat Schwierigkeiten" sagt Korb. Das verstärke das Gefühl von Minderwertigkeit und führe zu Rückzug aus dem Sport. Viele Kinder und Jugendliche seien nicht mehr am Leistungssport interessiert. Und "viele fallen nach der C-Jugend ab – die haben dann gar nichts mehr", so die Beobachtung. Er will einen "niederschwelligen Treffpunkt für Jugendliche vor einer Schulporthalle einrichten, so eine seiner Ideen. Denn manche Jugendliche "hängen auf der Straße oder im Park rum" und seien zum Teil polizeibekannt. Das örtliche Jugendzentrum spräche nur eine bestimmte Zielgruppe unter den jungen Leuten an, meint Korb, doch der Sportverein mit seien vielen verschiedenen Gruppen könnte integrativ wirken. Denn in Sportvereinen stecke mehr Potential, als es durch den Leistungssport vermittelt werde, so Korb. Auch mit dem örtlichen CVJM und der Kirchengemeinde habe er Kontakt aufgenommen und mit den Schulen wolle er kooperieren, erklärt der ehemalige EFH-Student.

Jetzt sucht Robert Korb weitere Geldgeber für eine Honorarstelle als Sozialpädagoge. Wenn klappt könnte es im Herbst so weit sein.

Um die künftigen Spendern und Sponsoren zu motivieren hat Korb einiges im Gepäck. Denn der Handballer, der selbst auch in der ersten Mannschaft gespielte, hat das SPOSA-Zertifikat der Evangelischen Fachhochschule. SPOSA das ist das Kürzel für "Sport und sozial Arbeit". Dieses Zertifikat, das die Hochschule vergibt, erlangen Studierende der Sozialarbeit, Sozialpädagogik, der Religionspädagogik und Gemeindediakonie nachdem sie ein vierstufiges Programm absolviert haben. Dazu gehört zunächst die "Übungsleiterlizenz für Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport /Kinder und Jugendliche", die in enger Kooperation mit dem Badischen Sportbund und der Südbadischen Sportschule Steinbach erworben wird. Hinzu kommen für die Fachhochschulestudenten in einem zweiten Modul die Vorbereitung , Durchführung und Dokumentation eins 20-stündigen sportbezogenen Projekts. Weiterhin gehört ein großes Sportprojekt zu der Ausbildung (über 120 Stunden) und eine wissenschaftliche Diplomarbeit zum Themenbereich Sport / Bewegungspädagogik oder sportbezogene Soziale Arbeit am Ende des Studiums. Robert Korb hatte über das Projekt Suchtprävention im Handballverein Köndrigen geschrieben und es praktisch umgesetzt.

Etwa 150 Studierende ließen sich mit dem SPOSA-Programm in den vergangen 16 Jahren zu Übungsleitern ausbilden und 20 Studierende der Sozialarbeit, Sozial- oder Religionspädagik haben das seit fünf Jahren bestehende komplette SPOSA-Zertifikat mit dem Abschluss des Diplomkolloquiums erworben.

Entwickelt hat SpoSa Professor Bernd Seibel. Er ist promovierter Erzeihungwissenschaftler, Logopäde, Sonderschul-, Grund und Hauptschullehrer und seit 1984 Dezent an der EFH. Im vergangen Jahr erhielt Seibel für sein Sposa-Konzept den Landeslehrpreis Baden-Württemberg. Der Professor kennt den Wert des Sports für das soziale Gefüge aus eigener Lebenserfahrung. Lange Zeit war er Bundesligaspieler in einem Karlsruher Handball-Verein, hat die Handball-Trainerlizenz erworben und ist heute, als 54-Jähriger, aktiver Freizeitsportler. Das von ihm erarbeitete SPOSA-Programm befähigt die künftigen Sozialarbeiter den Sport als gezielte Methode unter problembeladenen Jugendlichen einzusetzen. "Der Sport ist in der Sozialen Arbeit und der Jugendhilfe angekommen", sagt Seibel. Über "Sport lässt sich viel machen", er sei dabei auch eine internationale Sprache, die von Jugendlichen verstanden werde. Allerdings sei umgekehrt die Bedeutung der Sozialen Arbeit mit Benachteiligten noch nicht in den Sportverbänden und -vereinen erkannt worden, so der Pädagoge.

Robert Korb der handballspielende Sozialpädagoge ist ein Beispiel für das wie

Sport und soziale Arbeit sich verbinden und verbünden können. Er weiß, dass Sportvereine, gerade in den kleinen Städten und Dörfern, für das soziale Gefüge eine entscheidende Rolle in der Zukunft haben. Deshalb will er sein Konzept auch anderen Vereinen vorschlagen. Wichtig sind ihm neben den Vereinen selbst weitere Kooperationspartner, besonders auch die Kirchen.

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Trainer und Jungspieler vor dem Training

Trainingsfleiß ist die Voraussetzung zum Erfolg, hindert aber manche an der persönlichen Entwicklung.

Gemeinsam sind wir stark, der Sport hilft das Selbstwertgefühl zu stärken.

Professor Bernd Seibel hat das Sposa-Konzept an der Evang. Fachhochschule entwickelt


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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg