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Die große Chance
Ausbildung mit 47 Jahren im erfolgreichen Secondhand-Center
Freiburg (gh). Sie ist wirklich stolz, auf sich und ihren Betrieb. Vor 15 Jahren kam sie aus Kasachstan nach Deutschland und lebte ausschließlich von Sozialhilfe. Marina Haider hatte es häufig schwer im Leben, in ihrer alten Heimat und hier bei uns. Doch, dass sie jetzt noch, mit 47 Jahren, eine anerkannte Ausbildung machen kann, gibt ihr neuen Mut. Zum ersten Mal erhielt sie jetzt einen selbstverdienten Monatslohn. Denn seit September hat sie mit der "Spinnwebe", dem Secondhand-Center, das vom Diakonischen Werk in Freiburg betrieben wird, einen Ausbildungsvertrag. In zwei Jahren wird sie, wenn alles gut geht, vor der Handelskammer als anerkannte Verkäuferin abschießen.

Eine Lehrstelle mit Ende 40? Die Spinnwebe eröffnet neue Chancen. Foto: g. hammer
Ein bisschen Stolz sind auch zwei andere. Bernhard Neyer, der Leiter der Spinnwebe und Jochen Pfisterer der Geschäftsführer des Diakonischen Werks (DW) Freiburg. "Seit einigen Jahren haben wir mit dem Secondhand-Center in Weingarten solide strukturelle Grundlagen geschaffen", berichtet Pfisterer. Und Neyer, der Sozialarbeiter ist, ergänzt, dass das Gebrauchtwarenkaufhaus mit den guten und günstigen Angeboten ein potenter "sozialwirtschaftlicher Betrieb" geworden sei. Vier Hauptamtliche und rund vierzig Mitarbeitende, die an einer Maßnahme der Arbeitsagentur teilnehmen halten den Betrieb am Laufen.

Alle Maßnahmeteilnehmende sind langzeitarbeitslos und leben von Hartz VI. Sie werden und intensiv für ihre Arbeit im Transport, Wareneingang und Verkauf geschult. Rund 400 Frauen und Männer haben so das Gebrauchtwaren-Center in den letzen vier Jahren durchlaufen. Die Diakonie-Hauptamtlichen achten sehr darauf, dass jeder Einzelne genügend Zeit und Raum erhält seine eigenen Kompetenzen zu entdecken. Das unterscheidet die Sozial-Firma von einem rein kommerziellen Gewerbebetrieb,

Früher sei die Spinnwebe nur ein "Laden mit Flohmarktcharakter" gewesen, sagt der DW-Geschäftsführer. Doch inzwischen werde dem gemeinnützigen Betrieb, der keine Gewinne erwirtschaftet, ein Warenumsatz von über 250.000 Euro erzielt. Der riesige Laden hat sich so als fester Bestandteil im Stadtteil und in der Freiburger Secondhand-Szene etabliert. Demnächst wird man im zweiten Stock des Gebäudes am Rande des Einkaufszentrums die Verkaufsfläche ausbauen können.

Mit dem Schritt zum Ausbildungsbetrieb hat die diakonische Einrichtung jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Den Anstoß gab eine Spendenkampagne anlässlich des Wichernjahrs 2008. Mit den Spendengeldern wurde der Grundstock für die Ausbildungsplätze gelegt. Drei Umschüler konnten eingestellt werden. Alle Auflagen der Handelkammer wurden erfüllt, Man stellte auch eine Ausbilderin für kaufmännische Berufe ein. Sie unterstützt Menschen, die auf Grund ihrer Lebensgeschichte häufig keine Chance mehr auf eine Berufsausbildung hätten.

So wie Marina Haider. Sie ist Mutter eines körperbehinderten Jungen den sie von klein auf rund um die Uhr versorgen musste. Das Erlernen der deutschen Sprache fiel ihr einst unendlich schwer. Das hat sich geändert. Jetzt geht sie regelmäßig in die Berufsschule. "Ich bin da die Klassen-Oma", sagt sie lächelnd. "Jetzt muss ich mich wie früher in der Schule hinsetzten und büffeln". Sie weiß, diese Chance darf sie sich nicht entgehen lassen.

Spinnwebe-Auktion

Einen besonderen Einsatz wird die neue Auszubildenden am Samstag, 12. Dezember haben. Denn dann findet in den Räumen des Scondhand-Centers Spinnwebe zum zweite Male ein besondere Kunst- und Antiquitäten-Auktion statt. Auktionator Professor Traugott Schächtele versteigert ab 14 Uhr (Krozingerstraße 12 in Weingarten hinter dem Einkaufszentrum) allerlei Schönes, Kitschiges, Wertvolles und auch Antiquarisches. Mit einem Teil des Erlöses soll ein Wasserprojekt in Ghana unterstüzt werden. Weil in der Gegend vom nordghanaischen Tamale keine Brunnen gegraben werden können, sollen nun Wassertanks angeschafft werden. Die Spinnwebe will einen oder zwei dieser Tanks finazieren.

6. 1.2 09



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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg