.
Hintergrund




Seit 30 Jahren Telefonseelsorge in Freiburg
Unerhörtes gehört - und zu verstehen versucht
"Anruf - nicht stören". Das schlichte Täfelchen leuchtet neben der geschlossenen Tür. Dahinter in dem kleinen Raum mit der hohen Decke sitzt eine Frau mit dem Telefonhörer am Ohr und hört konzentriert. Alltag in der Freiburger Telefonseelsorge (TS). Am anderen Ende der Leitung erzählt eine alleinerziehende Mutter, was sie bedrückt. Sie habe zwei Kinder und die 14-jährige Tochter würde ihr nicht den nötigen Respekt erweisen. Sie sei ganz verzweifelt, es gäbe viel Geschrei und schon zweimal sei ihr die Hand ausgerutscht. Die ehrenamtliche Telefonseelsorgerin nimmt sich Zeit, hört zu und versucht wahrzunehmen, in welcher persönlichen und familiären Situation sich die Anruferin befindet. Es ist eines von durchschnittlich 44 Gesprächen, die im Haus der Freiburger Telefonseelsorge täglich geführt werden.

Im Nachbarzimmer sitzt ein Kollege der ehrenamtlichen Seelsorgerin, einer der rund ein Dutzend männlichen Mitarbeiter der TS. Am Apparat hat er einen Jugendlichen, der über sein Handy Kontakt sucht. Ärger mit der Freundin ist sein Thema. Überhaupt die Handyanrufe. War die Zahl der sogenannten Scherzanrufe zu Beginn der schnurlosen Zeit noch sehr hoch, sind Juxereien auf knapp über vier Prozent gesunken. Doch eines hat der Handy-Boom bewirkt: die Zahl der Männer und Jungen, die anrufen, habe zugenommen, sagt Erich Biel, einer der Leiter der TS. Insgesamt wurde in der Freiburger TS im Jahr 2004 rund 16.000 Mal der Hörer abgenommen, heißt es im Jahresbericht, um Menschen mit Sorgen und Problemen, mit Krankheiten (17,2 Prozent der Anrufenden leiden unter einer psychischen Erkrankung) und ihrer Suche nach Sinn zu zuhören. Eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr (um 9,5 Prozent). Und ein Beleg, wie wichtig die Telefonseelsorge in den dreißig Jahren ihres Bestehens im psycho-sozialen Netz zwischen Lahr und Lörrach geworden ist.

Seit 1976 ist die Telefonseelsorge in der Schwarzwaldhauptstadt am Leitungsnetz. Kostenlos für die Anruferin oder den Anrufer (Tel.-Nr. 0800 1110111). "So etwas braucht's" war die Erkenntnis der Mütter und Väter der TS im Breisgau, die zunächst in erster Linie Suizidgefährdete im Blick hatten. Es war das erste große Projekt der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden (ACK) an der Dreisam. Zusammen mit den beiden großen Kirchen trugen auch die lutherische Gemeinde, die Altkatholiken und die anglikanische Gemeinde dazu bei, dass nach längeren Vorbereitungen die Seelsorger (damals vier Psychotherapeuten und zwei Pfarrer) am Telefon empfangsbereit waren. 2.800 Anrufe waren es schon im ersten Jahr und im zweiten gleich doppelt so viele. Heute zählt die Einrichtung, die im Verborgenen wirkt, mehr als 70 ehrenamtlich tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zwei Hauptamtliche.

Vier Dienste à vier Stunden soll jede Mitarbeiterin (die Frauen sind deutlich in der Mehrheit) im Monat übernehmen, berichtet Regina Kraus. Sie ist seit 15 Jahren regelmäßig am Telefon und hört, wenn es beispielsweise um Familie, Verwandtschaft oder Erziehung geht (17,1 Prozent aller Anrufe). Die gute Ausbildung und die kontinuierliche Begleitung sind ihr besonders wichtig geworden; "auch das Netz der Haupt- und Ehrenamtlichen", betont sie. "Früher hat man gewartet, dass ein Gespräch kommt, jetzt gibt's keine frei Minute mehr", fasst sie die "Erfolgsgeschichte" der Telefonseelorge zusammen.

Eine derjenigen, die erst vor kurzem die anspruchvolle Ausbildung durchlaufen hat, ist Birgit Bodern. Die Kurse, die vom stellvertretenden Leiter Peter Kallenberger organisiert werden, seien "eine große Bereicherung gewesen - auch persönlich". Dabei werden längst nicht alle, die sich um einen der begehrten Ausbildungslätze bewerben, zugelassen, erläutert Kallenberger. Alle ein bis zwei Jahre bietet er einen Kurs an (der nächste im März 2007). "Tu' was für andere und hab' was davon", mit diesem Merksatz greift der Diplom-Psychologe die Motivation der Interessierten auf. Der dreigliedrige Ausbildungsgang endet mit verbindlichen, vertraglich festgelegten Vereinbarungen. Einerseits wird regelmäßiger Nachdienst erwartet, andererseits sorgt die Einrichtung für ständige begleitende und entlastende Supervision. Überhaupt ist der freundliche und zugleich offene und persönliche Austausch ein tragendes Element der kollegialen Atmosphäre unter den Ehren- und Hauptamtlichen der TS.

Rund 300.000 Gespräche haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Telefonseelsorge mit Frauen und Männern, Kindern und Jugendlichen während der vergangenen drei Jahrzehnte geführt. "Sie haben in diesen Gesprächen immer wider Unerhörtes gehört, Unerträgliches mit ausgehalten und Unverstandenes zu verstehen versucht", heißt es auf einem Flyer. Von Anfang an dabei ist Margarethe Bernecker. Sie berichtet von Dauer-Anrufenden, die teilweise über Jahre und Jahrzehnte die Nummer der Telefonseelsorge wählen. "Ich spreche seit fünf Jahren regelmäßig mit einer Frau, die mich mit meinem Decknamen kennt. Und ich weiß etwa, wann sie anruft; da freu ich mich richtig drauf".

Das beleuchtete Schild vor der geschlossenen Tür erlischt. Ein Gespräch mit der Telefonseelsorge ist zu Ende gegangen. Im Durchschnitt hat es 20 Minuten gedauert. Doch da läutet es schon wieder...

Günter Hammer


Weitere Informationen im Büro der Telefonseelsorge unter 0761 73201 oder im Web www.telefonseelsorge-freiburg.de


Artikel aus:
profile - Evang. Magazin für Kirche in Kultur in Freiburg
Nr. 26, Juni 2006



Sorgen? Wenn man einfach jemand zum zuhören braucht oder einen Rat...?
Seit 50 Jahren ist die TelefonSeelsorge, das telefonische Beratungs- und Seelsorgeangebot der evangelischen und katholischen Kirche, dafür die richtige Adresse.
Zurzeit gibt es 105 TelefonSeelsorge-Stellen in Deutschland, die meisten davon in gemeinsamer Trägerschaft der Evangelischen und der Katholischen Kirche. Hier arbeiten beide Kirchen Hand in Hand zusammen und geben ein wichtiges Beispiel lebendiger Ökumene.

Von Beginn an arbeiteten bei der TelefonSeelsorge ausgebildete Ehrenamtliche: Für die über 2 Millionen Anruferinnen und Anrufer jährlich sind sie oft die einzigen Ansprechpartner und als solche verläßlich an jedem Tag und rund um die Uhr erreichbar.

"Aus Worten können Wege werden" lautet der Leitsatz der TelefonSeelsorge. In diesem Sinn steht das karitative Handeln im Mittelpunkt der Arbeit:

Durch den herausragenden ehrenamtlichen Einsatz sei die Kirche da, wo Menschen sie dringend brauchen, sagt dazu der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber. Die MitarbeiterInnen "hören zu, sie versuchen zu verstehen (...) Auf das Hinhören kommt es an, denn hinter jedem Gespräch steht ein ganzes Leben."

Neben der Aufmerksamkeit und Zuwendung der TelefonSeelsorgerinnen und -Seelsorger sind die Anonymität und Verschwiegenheit eine wichtige Komponente der Arbeit und bieten den AnruferInnen so einen geschützten Raum.

Geschichte
Am 6. Oktober 1956 beginnt die Arbeit der "Ärztlichen Lebensmüdenbetreuung" in Berlin, damals die Stadt mit der höchsten Suizidrate. Gegründet wurde diese erste TelefonSeelsorge-Stelle durch den Berliner Arzt, Pfarrer und Psychotherapeuten Klaus Thomas. Zunächst stand noch die Suizidverhütung im Mittelpunkt der Arbeit.

Begünstigt durch die zunehmende Aktzeptanz des Mediums Telefon schreitet die Verbreitung rasch voran, die nächsten Stellen eröffnen bereits 1957 in Kassel und Frankfurt/Main. Seit diesem Jahr trägt der neue Dienst den Namen Telefonseelsorge.

Von Anfang an ist die TelefonSeelsorge stark ökumenisch geprägt: Träger der TelefonSeelsorge sind die Deutsche Bischofskonferenz und die Diakonie. Koordiniert wird die Arbeit durch die gemeinsame "Evangelisch-Katholische Komission für TelefonSeelsorge und offene Tür".

1995 beginnt eine neue Ära. Die TelefonSeelsorge weitet ihr Angebot auf das Internet aus. Nun sind die Helferinnen und Helfer auch schriftlich per e-mail und Chat zu erreichen.
Eine weitere Erleichterung gibt es seit 1997: Der langjährige Partner Deutsche Telekom AG ermöglicht, daß die TelefonSeelsorge nun aus jedem Ortsnetz in Deutschland unter einer bundeseinheitlichen Rufnummer gebührenfrei zu erreichen ist.

Festgottesdienst in Berlin
Am 16. September 2006 ehrt die TelefonSeelsorge mit einem Festgottesdienst im Berliner Dom und einem Festakt in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG die Arbeit der vielen tausend ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über all die Jahre wesentlich zum Fortbestand und Erfolg dieses christlichen Sorgentelefons beigetragen haben.


Uni-Klinik Freiburg
Ehrenamtliche in der Krankenhausseelsorge
Freiburg - "Die großen Fragen kommen erst jetzt auf uns zu", sagte Gisela Wilssmer am Ende des Aussendungsgottesdienste für ehrenamtliche Krankenhausseelsorger im Gespräch mit Landesbischof Ulrich Fischer in der Freiburger Klinikkirche. Zusammen mit weiteren vier Männern und elf Frauen war sie (am Montag, 14. Juli 2003) als ehrenamtliche Krankenhausseelsorgerin für künftigen den Dienst bei Patienten gesegnet worden.

Ein halbes Jahr lang hatte sich die 64-Jährige mit den anderen Seelsorge - Interessierten in einem Grundkurs vorbereitet. Auf dem Ausbildungsstundenplan der Ehrenamtlichen standen Themen wie "Krankheit als Krise und Chance", "Schuld- und Sinnfrage / Gottes- und Menschenbilder" oder "Sterbende begleiten". Zehn Abende, ein Wochenende und ein weiterer Tag dauerten die Theorieeinheiten. Zwei Freiburger Pastoralpsychologen hatten das Konzept der Schulung entwickelt. Jetzt, nachdem diese Phase abgeschlossen sei, gehen die ehrenamtlichen Klinikseelsorger einmal wöchentlich für zwei bis drei Stunden auf "ihre" Station und werden regelmäßig durch einen Supervisor begleitet, berichtet Jens Terjung vom Hauptamtlichen-Team. Und der 44-jährige Wolfgang Gruler, einer der neuen Ehrenamtlichen meint zu seiner Motivation: "Ich habe das Gefühl ich kann jetzt etwas zurückgeben, von dem was das Leben mir Gutes geben hat",

Für die fünf Hauptamtlichen der Seelsorger in der Universitätsklinik (die sich drei Stellen teilen) sei das Engagement der neuen Mitarbeiter eine große Hilfe, erklärt Pfarrerin Isabel Overmans. "Ich bin fast ausschließlich auf den Intensivstationen der Klinik eingebunden", sagt die Seelsorgerin, deshalb sei sie froh, dass es künftig auch mehr Patientenbesuche auf "normalen" Stationen gäbe.

Bei dem Aussendungsgottesdienst würdigte Landesbischof Fischer das Engagement der Ehrenamtlichen. "Sie helfen mit im Raum der Klinik eine Kultur der sozialen Wärme zu gestalten", sagte der Bischof in der Heilig Geist Kirche. Ehrenamtliche seien der "Schatz der Kirche", so Fischer weiter. Der Freiburger Dekan Traugott Schächtele wies in seiner Predigt vor der Krankenhausgemeinde darauf hin, dass die Existenz von Leid und Not kein Beweis sei, "dass bei Gott die Fülle des Lebens nicht möglich ist". Er ermutigte die Seelsorgerinnen und Seelsorger, dass sie "zum Zeichen lebendiger Fülle" werden.

Der leitende ärztliche Direktor der Freiburger Universitätsklinik, Professor Hermann Frommhold, dankte in einem Grußwort den Kirchen für ihr Engagement in den Kliniken. Der Einsatz von Seelsorgern sei ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit den Krankenhäusern, meinte Frommhold. Er begrüße den Einsatz der Ehrenamtlichen in dem hoch spezialisierten Gefüge eine Universitätsklinik.

gh, 15. 7. 03

Bischof Fischer überreicht die Abschussurkunde des Seelsorgekurses.

Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter sprechen sich gegenseitig den Segen Gottes zu.


Der badische Landesbischof Ulrich Fischer in der Klinik-Kirche
Ehrenamtliche Krankenhausseelsorger für die Uniklinik
Freiburg - Am Montag, 14. Juli 2003 werden sie vom badischen Landesbischof und vom hiesigen Dekan für ihren künftigen Aufgaben gesegnet: Zwölf Frauen und vier Männer wollen als ehrenamtlich tätige Seelsorgerinnen und Seelsorger den Patienten der Universitätsklinik durch ihre Besuche in Krankheit und Krisen des Lebens beistehen. Mit dem Gottesdienst, der um 17 Uhr in der Klinikkirche Heilig Geist beginnt, endet ein halbjähriger Kurs über zehn Einheiten, den die hauptamtlichen Krankenhausseelsorger der Uni-Klinik organisiert hatten. Dass jetzt Landesbischof Ulrich Fischer, der auch die Predigt hält und der Freiburger Dekan Traugott Schächtele gemeinsam den sogenannten Aussendungsgottesdienst gestalten, zeigt die Bedeutung, die man in der evangelischen Kirche diesem neuen Ehrenamt beimisst. "Ihr sollt ein Segen sein!", lautet das Leitthema der Feier.

"Krankenhausseelsorge ist eine ganz verantwortungsvolle Tätigkeit", erklärt Klinik-Pfarrerin Isabel Overmans. Nicht jede und jeder sei für diese Aufgabe geeignet. Denn im Kontakt mit kranken Menschen im Krankenhaus komme es auch zu inneren Auseinandersetzungen, die man "normalerweise umgeht, in der Klinik aber dran sind", meint die Seelsorgerin. Und ihr Kollege, Diakon Jens Terjung, pflichtet ihr bei, Klinikseelsorge sei nicht "irgend etwas tun, sondern vor allem Aushalten" von Krankheit und Krise. Die Pfarrerin und der Diakon wollten, zusammen mit den drei weiteren Kollegen (die fünf teilen sich drei Stellen), seelsorgliche Fähigkeiten und Gaben der Kursteilnehmern fördern und stärken.

Rund vierzig Personen hatten sich im vergangen Winter für den neu ausgeschriebenen Kurs interessiert. Eingeladen wurden schließlich 17. Der Kurs, den die künftigen ehrenamtlichen Seelsorger absolvierten deckte die wichtigsten Bereiche der Krankenhausseelsorge ab. Mit Rollenspielen, Vorträgen und Gesprächen näherten sich die Frauen und Männer den künftigen Aufgaben. Auf dem Programm standen Themen wie "Krankheit als Krise und Chance", "Schuld- und Sinnfrage / Gottes- und Menschenbilder" oder "Sterbende begleiten". An einem Wochenende stand neben anderem auch "Gesprächsführung" und "Seelsorgliche Grundhaltung" auf dem Stundenplan der Ehrenamtlichen.

Für alle sei der Kurs bereichernd gewesen, beobachte Jens Terjung. So seien viele praktische Übungen und Informationen (beispielsweise zu verschiedenen Krankheitsbildern) von Fachleuten aus der Pflege und Medizin der Uniklinik vermittelt worden. Letztlich sei jedoch "ein Stück Selbsterkenntnis", für die Kursteilnehmer, der vielleicht wichtigste Ertrag der Ausbildung, meint der Diakon.

Freilich, obwohl von der Kirche gewollt, sind die finanziellen Ressourcen für den Seelsorge-Kurs der Ehrenamtlichen gering. Pfarrerin Overmans hofft daher auf die Hilfe des "Freundeskreis Evangelische Klinikseelsorge", der selbst erst vor kurzem aus der Taufe gehoben wurde. Die rund 2000 Euro, die an Sachkosten für den Kurs aufgebracht werden müssen, sollen auch durch Spenden finanziert werden. Denn "die Klinikseelsorge braucht finanzielle und ideelle Unterstützung, eine Lobby in der Klinik und in der Landeskirche", betont Pfarrerin Overmans. Im Anschluss an den Aussendungsgottesdienst, wird zu einem Empfang eingeladen.


gh, 3. 7. 03

Spendenkonto: Freundeskreis Evangelisch Klinikseelsorge Konto 5020514 bei EKK (BLZ 66060800) Stichwort: Seelsorge Uniklinik





Diagnose und Dokumentation
Qualtiätssicherung in der Krankenhausseelsorge
Bad Herrenalb - In die Arbeit der Krankenhausseelsorge werden in den nächsten Jahren Qualitätsmangement - und Qualitätssicherungsmaßnahmen eingeführt. Dies wurde bei der Jahrestagung der badischen Krankenhausseelsorge in Bad Herrenalb deutlich, die heute zu Ende ging. Oberkirchenrat Michael Nüchtern (Karlsruhe) meinte angesichts der Tatsache, dass "unsere Kirche kleiner und ärmer" werde, würde die Krankenhausseelsorge in acht bis zwölf Jahren "anders sein". Das Thema der Jahrestagung der badischen Krankenhausseelsorger lautete denn auch : "Wie können wir die Qualität unserer Arbeit in der Krankenhausseelsorge sichern?" Oberkirchenrat Nüchtern, zu dessen Referat die Abteilung "Seelsorge in besonderen Arbeitsfeldern" der Badischen Landeskirche gehört meinte, dass es keine neuen Stellen für diesen Arbeitsbereich der Kirche geben werden, jedoch unter den vorhandenen Stellen die Zahl der Teildeputate zunehmen werde.
weiter

Krankenhausseelsorge müsse den Begriff des Kunden ernster nehmen, meinte der Hauptreferent der Tagung, Pfarrer Bernd Mehler (Wilhelmshaven). Denn der Seelsorgedienst sei nicht nur eine individuelle Unterstützung des Patienten, sondern stelle für viele Klinken einen "Mehrwert" dar, von dem die Häuser letztlich profitieren könnten. Mehler, der über umfassende Kenntnisse des Qualitätsmanagement aus Amerika verfügt, warb unten den rund 50 teilnehmenden Seelsorgerinnen und Seelsorgern, das Instrument des Qualitätsmanagements als Chance zu nutzen, um "das eigene Arbeitsfeld aufzublättern und darzustellen". Dies sei insbesondere im Hinblick auf die eigene Kirche wichtig, meinte Oberkirchenrat Nüchtern, der die Seelsorger dazu aufrief die "wichtigen Erfahrungen, die in der Krankenhausseelsorge gemacht werden" in die Kirche "einzuspielen". Dabei gehe es besonders um die "Verschränkung von Glaubens- und Lebenssituationen", die die Kirche durch ihre Seelsorge in der "Fremde eines säkularen Krankenhauses" mache. Nüchtern würdigte die "Früchte, die durch eine professionalisierte Seelsorge in der Vergangenheit in die Kirchen eingeflossen" seien.

Zu den Maßnahmen der Qualitätssicherung werde künftig neben dem Erfassen der seelsorglichen Tätigkeit in verschiedenen Statistikbögen auch die Dokumentation eines Seelsorgegesprächs in den Krankenakten gehören, führte Mehler aus. Auch die exakte Stellenbeschreibung und das Erstellen einer Seelsorgediagnose würden letztlich den einzelnen Patienten zu Gute kommen. Krankenhausseelsorge sei ein wesentliche Teil im Angebotspaket, das ein Krankenhaus zur Krankheitsbewältigung seinen Patienten anbiete. Um den Prozess der Qualitätssicherung einzuleiten sei ein intensives Auditverfahren (hörendes Interview) notwendig, meinte der Qualitätsexperte. Qualitätssicherungsmaßnahmen unterstützten langfristig auch die Refinanzierung des Einsatzes der Krankenhausseelsorge, so die Hoffnung.

Wolfgang Burkhard (Karlsruhe) vom badischen Oberkirchenrat ermutigte die Pfarrer und Diakonie, die im Bereich der Sonderseelsorge in Krankenhäuser arbeiten, auch "kleine Möglichkeiten der Refinanzierung" zu finden. So könnten durch Beiträge der Krankenhäuser der Einsatz eines weiteren Seelsorgers im Stellenpool der Kirche finanziert werden, schlug Burkhard dem Konvent der Krankenhausseelsorger vor.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Qualitätsmanagement ließen sich die Seelsorger von einem katholischen Kollegen auch über "Begleiten im Horzont des Heiligen" informieren. Dazu legte Pfarrer Erhard Weiher (Krankenhausseelsorger in Mainz) ein eigenes Leitbild der Seelsorge im Krankenhaus vor.

Über die aktuelle Entwicklung im Gesundheitswesen berichete der ärtzliche Direktor der Albert Schweitzer Klinik in Königsfeld, Stephan Jacob. Er erläuterte die Zusammenhänge zwischen den ständig kürzer werdenden Liegezeiten im Krankenhaus und der Aufgabe einer modernen Nachsorge und Rehabilitation. Nach seiner Auffassung könnten durch eine dem Krankenhaus sich anschließende Versorgung (Reha), "Chancen für einen Neubeginn" im Leben des Patienten und seines Partner ergriffen werden.

Am Ende der Jahrestagung tauschten sich die Konventsmitglieder auch über die zahlreichen Schulungen Ehrenamtlichter aus, die an vielen Kliniken in jüngster Zeit eingerichtet wurden. Ebenso wurde über die Bildung von Fachgruppen beraten, die eine detailliertere Auseinandersetzung mit Themenschwerpunkten (beispielsweise Kinderklinik, Psychoonkologie, Intensivmedizin usw.) ermöglichen soll.

Nach Auskunft des Vorsitzenden des Krankenhausseelsorge-Konvents, Pfarrer Bernd Janke (Mannheim), sind in der Badischen Landeskirche rund 65 Mitarbeitende in Universitätskliniken, Kreiskrankenhäuser, kirchlichen Krankenhäusern und andern Kliniken tätig. Nach dem jetzt gültigen Versorgungsschlüssel sind einem Seelsorger bis zu 650 Betten zugewiesen.

gh 22. 5. 03

Das Logo der Krankenhausseelsorge

Oberkirchenrat Nüchtern bei seinem Vortrag zu Perspektiven der Krankenhausseelsorge in Baden.

Abteilungsleiter für Seelsorge in besonderen Arbeitsfeldern, Wolfgang Burkhardt

Kleingruppe im Gespräch zu Qualitätsmanagementmaßnahmen innerhalb der Krankenhausseelsorge

Fotos: Günter Hammer



Seelsorgeausbildung für Ehrenamtliche

Die Evangelische Klinikseelsorge an der Uniklinik Freiburg bietet in Zusammenarbeit mit Pastoral-psychologe Werner Jahn eine Seelsorgeausbildung für Ehrenamtliche an. Geplant sind 10 Abende á 2 Stunden zu unterschiedlichen Themen aus der Seelsorgepraxis.

Den Auftakt bildet ein gemeinsames Wochenende.
Die weiteren Themenabende sind im 2- bis 3-wöchigen Rhythmus, jeweils dienstags von 19.00 bis 21.00 Uhr geplant. Gestaltet werden Sie von einem Klinikseelsorger/ einer Klinikseelsorgerin in Zusammenarbeit mit einem Referenten (aus der Pflege, Medizin oder anderen Bereichen). Gegen Ende der Ausbildung wird über Einsatzwünsche und -möglichkeiten an der Uniklinik Freiburg nachgedacht. Eine Begleitung für die darauffolgende ehrenamtliche Tätigkeit wird zugesagt.
Die Ausbildung schießt mit einem Zertifikat ab.

Herzliche Einladung zu einem Informationsabend am 4. Febuarr 2003, 19.00 bis 21.00 Uhr im Neurozentrum, Breisacher Str. 64.
Nähere Informationen erhalten Sie unter Tel.: 0761/ 270-6011, Diakon Jens Terjung/ Diakonin Ursula Hänni-Grina.



Wir veröfftentlichen hier erneut einen Beitrag zur Entwicklung der Krankenhausseelsorge in jünster Zeit. Der Beitrag bezieht sich auch die Jahrestagung der Klinikseelsorge im Jahr 2000
Jahrestagung der badischen Krankenhausseelsorger

Moderne Krankenhausseelsorge

Bad Herrenalb - Die evangelische Krankenhausseelsorge in der Badischen Landeskirche will sich neu positionieren. Sowohl in den einzelnen Kliniken als auch innerhalb der badischen Kirche wollen die Seelsorger ihre Arbeit besser darstellen und sich stärker ins Bewußtsein rücken. Bei der Jahrestagung der Krankenhausseelsorger, die heute in Bad Herrenalb zu Ende ging, beschlossen die Theologen und Religionspädagogen an den Themen "Neue Identität der Klinikseelsorge" "Spirituelle Dimension in der Krankenhaussselsorge", sowie "Begleitung Trauernder" und der Frage nach der eigenen "Öffentlichkeitsarbeit" intensiv weiter zu arbeiten.

Das Bild des Krankenhausseelsorgers hätte sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt, erklärte Elfi Claus (Mannheim) vom Vertrauentrat, dem Leitungsgremium des Konvents gegenüber epd. Die Vorstellung von einem Geistlichen, der in der Klinik von Tür zu Tür geht, um möglichst alle Patienten nur kurz zu begegnen sei überholt, meinte Claus. Angesichts der Themenfülle und der starken Belastung durch die zugeteilten hohen Zahlen an Patientenbetten, die der einzelne Seelsorger zu bewältigen habe, müssten deutliche Schwerpunkte in der Arbeit gesetzt werden. Außerdem sei ein fundierte klinisch-seelsorgerliche oder pastoral-psychologische Ausbildung Grundstein, um qualifiziert Hilfen in der seelischen und religiösen Begleitung bei schwerer Krankheit anzubieten. Immer mehr würden Seelsorger mit ihren Kompetenzen auch in Pflege- und Ärzteteams einbezogen, berichteten Teilnehmer der Konferenz.

Auch in der badischen Krankenhausseelsorge seinen Stellenkürzungen vorgenommen worden oder werden noch umgesetzt, hieß es. So gehören statistisch heute in den Arbeitsbereich eines Seelsorgers rund 650 Betten. Zum Vergleich in der württembergischen Kirche sind es 450 Patientenbetten für die ein Hauptamtlicher Mitarbeiter zuständig ist.

Die Jahrestagung, die im Stil einer "Open-Space-Konferenz" moderiert wurde, zeigte die Breite der Themenkomplexe auf, mit denen sich die moderne Klinikseelsorge auseinandersetzt. Von der "Gottesdienstgestaltung im Regelkrankenhaus" über "Humor in der Seelsorge" bis zu "Fortschritt der Medizin", sind nur einige Beispiele aus dem Themenkanon die von den rund 50 Teilnehmern bearbeitet wurden.

Der neue Vorgesetze der Seelsorger, Oberkirchenrat Michael Nüchtern, stellte sich der Runde vor und betonte die wichtigen Entwicklungen für die Kirche, die von Krankenhausseelsorge und der Seelsorgebewegung in den letzten Jahrzehnten ausging. Außerdem berichteten Kollegen aus anderen Landeskirchen so auch aus den esäßisch-lothrignischen Kirchen von ihren Erfahrungen. Erstmals war ein Vertreter der neu gegründeten "Interessengemeinschaft katholischer Krankenhausseelsorger der Erzdiözese Freiburg" Gast der Tagung. In Baden sind rund 65 evangelische Seelsorgerinnen und Seelsorger in Kliniken und Krankenhäuser verschiedenster Art tätig.

gh 11. 5. 2000

zurück

Versuchsseite: Feeback an Büro Öffentlichkeitsarbeit


profile-design 2003 gh webmaster

Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg