Freiburg-West - "Es kam auch mal vor, dass ich direkt vom 24-Stunden-Notfalldienst am Sonntagmorgen in die Kirche zum Predigen musste". Helmut Schempp, der ehemalige Hausarzt lächelt. Denn er ist nicht nur Mediziner sondern auch Theologe. Am kommenden Sonntag, 26. Januar wird Schempp von Dekan Traugott Schächtele in der Markuskirche (Am Hägle) zum ehrenamtlichen Pfarrer der Badischen Landeskirche ordiniert. Nach dem Ordinationsgottesdienst, der um 9.30 Uhr beginnt, wird zu einem Empfang ins Gemeindehaus (Am Markusplatz) eingeladen. Der neue ehrenamtliche Pfarrer erhält die gleiche Beauftragung zur "Verkündigung des Evangeliums und Predigt sowie zur Verwaltung der Sakramente, wie jeder andere Pfarrer auch", erklärt Ulrich Bayer, der Gemeindepfarrer der Markusgemeinde ist und den Gottesdienst mit gestaltet. Für den Mediziner indes ist praktische Liturgie und Predigt nichts Neues. Immer wieder übernahm er in den vergangen Jahrzehnten Vertretungsdienste für die Geistlichen in der Matthäus-, der Zachäus- und der Markusgemeinde. Dazu war ihm von der Kirchenleitung eine begrenzte Beauftragung erteilt worden.
Doch jetzt darf der 63-jährige Allgemeinarzt auch den Titel "Pfarrer" tagen. Die Ordination zum ehrenamtlichen Pfarrer ist in der badischen Landeskirche seit 1994 per Kirchengesetz geregelt. Die Badener waren eine der ersten Kirchen in Deutschland die dies einführten. Man wollte damit "der große Zahl von Theologen, die sich in anderen Berufen etabliert haben" die Möglichkeit zur Ausübung der Pfarrerstätigkeit geben, sagte ein Sprecher der Landeskirche auf Anfrage. Bisher seien zwischen Wertheim und Konstanz jedoch erst sieben Männer und Frauen zu ehrenamtlichen Pfarrerinnen oder Pfarrern ordiniert worden. Schempp sei der erste, der in Freiburg und Umgebung zum Pfarrer im Ehrenamt berufen wird. In diesen Berufungen von Ehrenamtlichen sieht denn Schempp auch "die Zukunft der Kirche".
Schempp begann mit dem Theologiestudium 1959 in Tübingen. In Berlin und Zürich studierte er dieses Fach weiter und 1964 legte er sein erstes theologisches Staatsexamen ab. Doch, "ich wollte schon immer beides studieren, Theologie und Medizin", erklärt er. So folgte das Medizinstudium, hauptsächlich in Berlin. Damit er dies finanzieren konnte gab er als Medizinstudent auch Religionsunterricht und verlor so nie den Kontakt zur Theologie, wie überhaupt Schempp stets ehrenamtlich in der kirchlichen Jugend- und Gemeindearbeit tätig war.
Nach dem Medizinstudium zog es den jungen Arzt an den Bodensee, in Tettnang arbeitete Schempp im Krankenhaus. Bevor er dann in Freiburg eine eigene Hausarztpraxis gründete legte er 1976 sein zweites theologisches Examen ab. Im Oktober des selben Jahres eröffnete er und seine Frau, die Kinderärztin ist, ihre Praxen in der Hofackerstraße.
Die Verbindung Medizin-Theologie lässt Schempp nicht los, berichtet er. "Ich bin sehr aktiv und habe selten Ruhe". So gibt er seit Jahrzehnten in Vorträgen und Lichtbilderpräsentationen, vor zum Teil sehr großen Publikum (bis zu 1000 Zuhörer), meist sind es Frauen aus dem Landefrauenverband, seine reichen Erfahrungen weiter. Er vertrete dabei eine Medizin und Theologie, "mit der die Leute im Alltag etwas anfangen können". "Ich sehe den Menschen in seinem ganzen Leben, deshalb ist mir auch die Psychosomatik so wichtig", betont er. Die Lebensbedingungen seiner Patienten habe er immer im Blick gehabt.
Seit kurzem ist der Arzt im Ruhestand. Doch schon gibt es ein neues Betätigungsfeld. In Denia (Spanien) einer Stadt zwischen Valencia und Benidorm übernimmt er in der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde Vertretungsdienste für den Pfarrer. Entlang der 350 Kilometer langen Mittelmeerküste sind die Gläubigen in fünf Kirchen zu versorgen. Im Februar wird der neu ordinierte Pfarrer im Ehrenamt dort wieder den Dienst in der Gemeinde übernehmen.
gh
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Arzt und Pfarrer im Ehrenamt
Dr. Helmut Schempp
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