Breisgau-Hochschwarzwald / Freiburg (16. 11. 03) - "Die Zeiten in denen der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen seine Existenzberechtigung nachweisen muss sind vorbei. Diese Ansicht vertrat der Schuldekan des Evangelischen Kirchenbezirks Freiburg, Manfred Jeub, am Wochenende (Freitag) vor der Bezirkssynode, dem regionalen Kirchenparlament. Der Schuldekan stellte vor den Delegierten aus 39 Pfarreien den Religionslehrern ein gutes Zeugnis aus: Aufs Ganze gesehen, werde ein guter Religionsunterricht erteilt, so Jeub. Das Renommee des Faches würde steigen. Viele Eltern legten wert darauf, dass ihre Kinder am Religionsunterricht teilnehmen. Bei Treffen mit ehemaligen Schülern berichteten die, dass ihnen die "anspruchsvollen Gespräche aus der Reli-Stunde", in ihren beruflichen und privaten Zusammenhängen, fehlen würden, so Jeub
Insgesamt werden an den 174 Schulen im Kirchenbezirk zwischen Breisach, Freiburg und Löffingen, wöchentlich rund 12.000 Schülerinnen und Schüler von 255 Lehrerinnen und Lehrer unterrichtet. Der Schuldekan hat die inhaltliche Aufsicht des Faches im gesamten Bezirk. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (55 Prozent) seien in kirchlicher Anstellung, 45 Prozent seien staatliche Lehrer. Allerdings fehle durch den altersbedingten Umbruch es in der Lehrerschaft an Pädagogen, die evangelischen Religionsunterricht erteilen. Besonders in der Hauptschule (dem "Stiefkind des Bildungssystems", so Jeub) und den beruflichen Schulen sie die "Abdeckung nicht regulär".
Es sei spürbar, dass das Fach Religion als ein wichtiger "Beitrag zur Schulkultur gewollt und gewünscht" werde, fasste Jeub seien Eindrücke von Besuchen an verschiedenen Schulen im Kreis und den Städten zusammen. Viele Religionslehrerinnen und -lehrer erfahren in ihrer Schule einen Vertrauensvorschuss. Etliche Pädagogen würden sich denn auch neben dem Unterricht in Religion als Vertrauensleher, Drogenberter oder Personalrat engagieren. Viele Reli-Lehrer organisierten auch Sozialpraktikas oder seien als Schulseelsorger ansprechbar, führte Jeub aus.
Der Freiburger Schuldekan berichtete weiter, dass die Zahl der konfessionslosen Schülerinnen und Schüler (31,4 Prozent) zunehme. Weniger als ein Drittel aller Schüler seien evangelisch. Dennoch würden die meisten Schüler am Religionsunterricht beider christlichen Konfessionen teilnehmen. Gleichwohl liege der Anteil der konfessionslosen "Gäste" am evangelischen Religionsunterricht höher als im katholischen Unterricht. Der evangelische Schuldekan sieht dieses Verhältnis jedoch weitgehend bestimmt von einem "Klischee des katholischen Religionsunterrichts, das in vielen Fällen gar nicht zutrifft". Im Bemühen um eine konfessionelle Kooperation zwischen evangelischer und katholischer Kirche in den beiden ersten Klassen der Grundschule sieht Jeub indes kein Vorankommen. "Eltern, Lehrer und Schulleitungen rufen seit Jahren danach die Konfessionsteilung in der ersten und zweiten Klasse aufzuheben", so der Schuldekan. Er halte es für vernünftig eine "gemeinsame Grundlegung zu machen", meinte der Religionspädagoge.
Insgesamt sieht der Theologe den Religionsunterricht für die Zukunft "gut positioniert", wenn es um die um die Zukunft des Faches (Bildungsstandarts) geht. In dem Fach Ethik sieht Jeub keine Konkurrenz für den Religionsunterricht.
In einem Referat zum generellen Verhältnis von Staat und Kirche wies Professor Reinhard Wunderlich, von der Pädagogischen Hochschule Freiburg, die Delegierten auf den "doppelten Kompromiss" der Trennung und Verbindung von Staat und Kirche hin. Dieses "verfassungs- und vertragsrechtlich gesicherte freiheitliche Kooperationssystem" bilde auch die Grundlage, dass Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ordentliches Lehrfach sei. Wunderlich erläuterte, dass das "Spezifikum unterrichtlicher Lehrziele im Religionsunterricht" geteilt ist. Danach könne eine christliche Wert-Haltung didaktisch - methodisch erschlossen werden, jedoch sei der "Glaube unverfügbar".
Im ersten Teil der synodalen Beratungen hatten die Vertreter der Gemeinden die Weichen für die Erstellung des Haushaltes 2004/2005 zu stellen. Absehbar sei, so Dekan Traugott Schächtele, dass der neue Haushalt nach gegenwärtigem Stand nicht gedeckt werden könne. Nach einer Übersicht, die Bezirkskirchenrat Hans-Günther Schirdewahn (Stegen) vorstellte, betrage das momentane Defizit über 40.000 Euro. Nach einer kontroversen Diskussion um eine Erhöhung der Gemeindeumlagen wurde beschlossen den künftigen Haushalt so zu erstellen, dass eine Entnahme aus den Rücklagen vermieden werde. Der neue Haushalt wird in der Frühjahrssynode 2004 eingebracht.
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Schuldekan Manfred Jeub

Die Synode des Kirchenbezirks Freiburg tagte in Freiburg-Landwasser
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