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Gerhard-Ritter-Preis wird 2009 neu vergeben
Auszeichnung würdigt das wissenschaftliche Werk des Freiburger Historikers
Freiburt (Uni).Herausragende Abschlussarbeiten haben an der Universität Freiburg die Chance, mit attraktiven Preisen ausgezeichnet zu werden, die eine wachsende Zahl von Stiftern zur Verfügung stellt. Seit November ist die Universität um einen Preis reicher. Der neu eingerichtete Gerhard-Ritter-Preis dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den historischen Wissenschaften und wird vor allem für Dissertationen und Habilitationen vergeben. Der mit 2 500 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Die Entscheidung fällt ein sechsköpfiges Kuratorium aus Mitgliedern dreier Fakultäten. Der Rektor der Universität, Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, vergibt den von Professor Dr. Dr.h.c. Helmut Jenkis aus Garbsen gestifteten Preis erstmals bei der Eröffnung des Akademischen Jahres 2009/10.

Die Auszeichnung setzt die Tradition des erstmals 1989 ausgelobten Preises gleichen Namens fort, der im Frühjahr 2008 auf Wunsch des damaligen Stifters Badischer Verlag umbenannt („Badische-Zeitung-Preis“) und inhaltlich auf vorwiegend regionale Vorgaben ausgerichtet wurde. Die Universität und Prof. Jenkis ehren mit dem Preis die wissenschaftliche Leistung des großen Historikers Gerhard Ritter.

Pressemitteilung der Universität Freiburg, 12. 12. 08




Gerhard Ritter ein moralisches Vorbild
Ehemaliger Freiburger Historiker soll neu gewürdigt werden
Mitglied der Bekennenden Kirche
Freiburg (gh). Der Name des Historikers und Mitglieds der Bekennende Kirche, Gerhard Ritter (1888 - 1967), soll in Freiburg nicht vergessen werden. Bei einem Podiumsgespräch vor rund 200 Zuhörern in der Ludwigskirche betonten alle Teilnehmer am Sonntag (8. 6. 08) die Verdienste des Wissenschaftlers, der in der Nazi-Zeit den oppositionellen Freiburger Kreis mitbegründet hatte und für seine Regimekritik inhaftiert war. Ritter lehrte von 1925 bis 1956 an der Universität Freiburg.

Das Podium in der Ludwigskirche (v. re. n. li.): Martin Flaschar, Dekan Markus Engelhardt, Prof. em. Hans-Ulrich Nübel, Prof. em. Ernst Schulin, Prof. Ulrich Herbert
Anlass für die Diskussion war der Rückzug der Herausgeber der Badischen Zeitung vom "Gerhard-Ritter-Preis". Diese Auszeichnung wurde zwischen 1989 und 2005 für hervorragende historische Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses alle zwei Jahre vergeben. Das Preisgeld von 2.500 Euro wurde von der Badischen Zeitung (BZ) gestiftet, eine Jury der Universität wählte die Preisträger aus. Künftig soll die Auszeichnung "Badische-Zeitung-Preis" heißen und damit sollen "Arbeiten zur Landskunde und Geschichte der Region Oberrhein und Baden-Württembergs" mit regionalen Schwerpunkten ausgezeichnet werden. In ihrer Begründung für den Rückzug warfen BZ-Verleger dem national-liberalen Historiker vor, einer aristokratischen Staatsform das Wort geredet zu haben "und die Schwäche der Weimarer Republik in einer überbordenden Demokratie" erklärt zu haben.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher, die meist der älteren Generation angehörten kamen in die Ludwigskriche. Foto: g. hammer
Bei der vom Vorsitzenden des Diakonievereins der Ludwigskirche, Martin Flashar, initiierten Podiumsdiskussion, erklärte Professor Ulrich Herbert vom Historischen Seminar der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg, es gäbe Überlegungen den Gerhard-Ritter-Preis in anderer Form weiter vergeben zu wollen. So würde im neu gegründeten "Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS)" die Vergabe eines Preises mit diesem Namen diskutiert. Ein Ergebnis sei allerdings erst in einigen Monaten zu erwarten.

Herbert würdigte Gerhard Ritter, als ein "moralisches Vorbild", sei er doch einer von wenigen Historikern in Deutschland gewesen, der es wagte schon während der Nazi-Diktatur durch seine Äußerungen und Veröffentlichungen Kritik am Regime zu üben. Vom Rückzug der BZ von der Namensnennung habe er aus der Zeitung erfahren. Sowohl das Historische Seminar, als auch der damalige Uni-Rektor Jäger hätten sich gegen diesen Rückzug ausgesprochen. Da die BZ-Herausgeber aber Donatoren des Preises sein, hätten sie auch das Recht über die Namensnennung zu entscheiden.

Auch Ernst Schulin, emeritierter Neuzeithistoriker der Uni Freiburg, betonte, dass Gerhard Ritter, die "Massenideologie und Gewalt der Nazis stets zuwider waren". So sei Ritter nicht nur während der nationalsozialistischen Diktatur als einziger Historiker der Freiburger Universität mutig aufgetreten, er habe auch nach dem Krieg die "verheerenden Auswirkungen des deutschen Militarismus" ausführlich dargestellt. Gleichwohl betonte Schulin auch, dass Ritter von der Zeit des 1. Weltkriegs geprägt war, von der Niederlage Deutschland "erschüttert" war und den dann aufkommenden "Parlamentarismus beklagte". Am Ende seiner Historikerkarriere sei Ritter, der auch im Ausland als herausragender Historiker galt, allerdings wegen seiner für die 60er Jahre unzeitgemäßen Ansichten in die Kritik geraten.

Dass sich die Person Gerhard Ritter, in seiner Lebensgeschichte auch gewandelt habe, darauf wies Hans-Ulrich Nübel hin. Der ehemalige Rektor der Evangelischen Fachhochschule erläuterte, dass Ritter schon 1933, anders als der damalige Oberkirchenrat, die Nazi-Ideologie ablehnte. "Für Ritter war das christliche Gewissen immer ein großes Stichwort", sagte der Theologe. Ritter habe als Mitglied des badischen Bruderrats an den Bekenntnissynoden von Barmen, Dahlem und Augsburg teilgenommen. Er hob auch die Mitarbeit Ritters im Freiburger Kreis hervor, der in einer Denkschrift mitten im Kriege die Grundlagen für ein künftiges demokratisches Nachkriegsdeutschland formuliert hatte.

Dekan Markus Engelhardt betonte die Rolle Ritters nach dem Krieg in der Ökumenischen Bewegung. So sei Ritter einer der deutschen Delegierten bei der ersten ökumenischen Weltkirchenkonferenz 1948 in Amsterdam gewesen. Da die evangelische Kirche in Freiburg ihr Gerhard-Ritter-Haus verkaufen musste, in dem das Pfarramt der Ludwigskirche und das Landes- und Bezirkskantorat untergebracht waren, meinte Engelhardt, dass es wünschenswert sei, dass der Name Gerhard Ritter bei einer künftig anstehenden Gebäudebenennung berücksichtigt werden solle. Engelhardt meinte zur Person und zum Wirken Ritters selbstkritisch, dass man sich bisher zu wenig Gedanken gemacht habe, "was dieses Leben auch in seinen Widersprüchen hinterlässt."

8. 6. 08



Vergisst die Zeitung und die Uni Gerhard Ritter?
Podiumsgespräch in der Ludwigskirche
Gerhard Ritter (1888 1967), der in Freiburg und innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland bekannte Historiker und Mitbegründer des Freiburger Kreises erregt zur Zeit Aufmerksamkeit. Vor kurzem trennte sich die Badische Zeitung und die Universität Freiburg von dem Namen und der Würdigung des Historikers, der lange Jahrzehnte den Lehrstuhl für neuere Geschichte in Freiburg (1925 - 1956) inne hatte.
Gerhard Ritter
Denn, der von 1989 bis 2005 von der Badischen Zeitung vergebene Gerhard-Ritter-Preis für hervorragende historische Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses soll den Angaben zufolge, künftig einen anderen Namen bekommen und einen inhaltlich anderen Schwerpunkt erhalten. Ritter der mitten in der Nazi-Zeit zusammen mit Walter Eucken, Konrad von Dietze u. a. die Konzeption einer neuen Gesellschaftordung für Deutschland entwickelte wird mangelndes Demokratieverständnis vorgeworfen. Ritter, ein überzeugter Antifaschist, habe in seiner Zeit zu sehr der "aristokratischen Staatsform" geredet, hieß es dazu. Das Verständnis Ritters von der Demokratie in der Weimarer Zeit passe nicht mehr zur Badischen Zeitung.

Nach Ritter, der auch Mitglied der Bekennenden Kirche war, ist in Freiburg-Herdern das Gerhard-Ritter-Haus benannt, im dem das Pfarramt der Ludwigskirche und das Bezirks- und Landeskantorat untergebracht sind. Freilich muss auch die Evangelische Kirche ein Stück weit Abschied von dem Namen Gerhard Ritter nehmen. Denn das Gerhard-Ritter-Haus, ein Bau aus den 80er Jahren in der Hauptstraße in Freiburg-Herden, musste verkauft werden, um das finanzielle Defizit der Kirche mit abzubauen. Das Pfarramt und das Bezirkskanorat werden demnächst ausziehen und das Haus erhält durch den neuen Besitzer eine andere Nutzung. Offen ist wie nach dem Verkauf des Hauses mit dem Namen Gerhard Ritter innerhalb der evangelischen Kirche umgegangen wird.

Zur Person und zum Wirken Gerhard Ritters lädt die Evangelische Ludwigkirche nun zu einem Podiumsgespräch ein,das das Phänomen der "Gedächtnislöschung" wie es der Archäologe Martin Flashar nennt, aufgreift und vertieft (siehe Beitrag von Martin Flashar in der Süddeutschen Zeitung):

Einladung zum

PODIUMSGESPRÄCH

Gerhard Ritter (1888-1967)
Sonntag, den 08. Juni 2008, 11.30 Uhr

Ludwigskirche
Starkenstraße 8, Freiburg-Herdern

Gesprächsteilnehmer:

Pfarrer Markus Engelhardt, Dekan
Prof. Dr. Ulrich Herbert
Pfarrer Prof. Dr. Hans-Ulrich Nübel
em. Prof. Dr. Ernst Schulin
Moderation: Dr. Martin Flashar

anschließend Diskussionen und Gespräche bei einem
Glas Wein, Wasser oder Saft

5. 5. 08



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