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Lachen am Reformationstag
Katholischer Stadtdekan predigte in evangelischer Ludwigskirche, evangelische Dekan sprach beim katholischen Allerheiligengedenken.
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Freiburg (gh). Am Ende der Reformationstags-Predigt von Dompfarrer Claudius Stoffel in der evangelischen Ludwigskirche klatschten viele Gottesdienstbesucher Beifall. Der katholische Stadtdekan hatte mit seine Ansprache zu den Seligpreisungen die
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| Dompfarrer Dekan Claudius Stoffel auf der Kanzel der evangelischen Ludwigskirche in Freiburg am Reformationstag 2009 Foto: g hammer |
Menschen in der vollen Kirche zum Nachdenken - und zum Lachen gebracht. Freimütig bekannte Stoffel am Abend des evangelischen Feiertags, der an Luthers Thesenanschlag erinnert: "Was ich an Martin Luther schätze, er schwimmt nicht mit, heult nicht den Wölfen und wird sehr unbequem." Luther habe zu Recht den "Schwindel" des Ablasshandels im 16. Jahrhundert angeprangert. Mit seiner Erkenntnis, dass man die die Gnade Gottes nicht kaufen kann und seinem Protest gegen die mächtige Kirche habe die Neuzeit begonnen.
In dem für Freiburg zentralen Gottesdienst der evangelischen Kirche, den der evangelische Stadtdekan Markus Engelhardt leitete, hatte auch die Kantorei der Christuskirche gesungen. Unter der Leitung von Bezirkskantorin Hae-Kyung Jung wurde die Bachkantate 79 "Gott, der Herr ist Sonn' und Schild" auf sehr beeindruckende Art vorgetragen.
Der Protest in unserer Zeit müsse sich gegen die die zunehmende Bürokratisierung in der Gesellschaft und auch in der Kirche richten, meinte der katholische Stadtdekan in seiner Rede. "Die Verbürgerlichung und Bürokratisierung erfindet einen Menschentyp, vor dem selbst der Heilige Geist ratlos steht". Stoffel verwies auf den Jesuitenpater Alfred Delp und den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, die beide aus der "Leidenschaft für den lebendigen Gott" heraus in Widerstand gegangen waren. Es brauche die "Sprengkraft gelebter Hoffnung" die beide gelebt hätten. Die Seligpreisungen Jesu seinen "Sätze einer göttlichen Gegenkultur", die sich gegen den Terror wenden und gegen die Armut in unserer Mitte.
Zur Ökumene
An Ende seiner Predigt hatte der Dompfarrer die Lacher auf seiner Seite. Im Blick auf die aktuelle Situation in der Ökumene las er einen üblen antilutherischen "Spaltvers" aus der Zeit der Gegenreformation vor. Das hörbare tiefe Durchatmen und sichtbare Stirnrunzeln unter den Protestanten löste sich in Lachen auf, als Stoffel den Vers mit denselben Worten, nur anders geordnet und gewendet, als antirömisches Spottgedicht verlas. "Das Lachen über manche evangelische oder katholische Aufgeblasenheit könnte zum Ernstfall der Ökumene werden", sagte Claudius Stoffel der heiteren protestantischen Gemeinde, die schließlich dem Prediger am Ende mit spontanem Applaus antwortete.
An Allerheiligen predigte der evangelische Dekan
Tags darauf am Allerheiligenfeiertag war es nun am evangelischen Stadtdekan die Predigt im katholischen Totengedenkgottesdienst zu halten. Auf dem Hauptfriedhof erinnerte Dekan Markus Engelhardt daran, dass Leben, Menschsein heiße, das sich anderen Menschen verdanke. Nach dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, werde das was das Bezogensein auf andere Menschen angeht besonders in der Stadt erfahrbar. Der Seher Johannes habe deshalb das Bild von der „Stadt“ gewählt weil darin nach der Erfahrung von Tod, Stummheit, Beziehungslosigkeit, das totale Gegenteil im Verhältnis von Gott und Mensch sich ausdrückten könne: „endlich ungehindertes, also heiles Zusammensein mit Gott und untereinander“. Der biblische Glaube spreche davon, dass nicht „unsere zurechtkonstruierten, erbaulichen Jenseitsvorstellungen, dass die alte Welt, die mit dem Tod ihren letzten Triumph feiert, nicht das letzte Wort behält“, so Dekan Engelhardt.
Das Leben beginne angesichts des Todes mit „ganz einfachen, kleinen Schritten - die in Wahrheit doch sehr große sind“, sprach Engelhardt den Gläubigen zu, „dass wir dennoch weiterleben, dass wir dennoch morgens aufstehen, … dass wir dennoch einen Blick bekommen für andere, für die es selber elend und traurig aussieht und dann vielleicht anfangen, denen etwas Hilfreiches zu tun“.
1. 11. 09 |
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