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Unverschämt: Gottes andere Gerechtigkeit
Predigt zum Reformationstag

Freiburg (gh). "Die Mühlen des Himmels mahlen ganz anders!", dies sagte Dekan Markus Engelhard im Gottesdienst zum Reformationstag, am Freitag in der Freiburger Ludwigskirche. Engelhardt fasste damit die Erkenntnis zusammen, die der Reformator Luther auf Grund seiner Bibelstudien zum ersten Kapitel des Paulus-Briefs an die Römer im Neuen Testament erlangt hatte. Gottes Gerechtigkeit sei eine ganz andere, als das was Menschen unter Gerechtigkeit verstehen, so der Dekan.

Hanna Heicke (2. v. r.) und das Herdermer Consort musizierten am Reformationstag. Von der Empore der Ludwigskirche erklang "Herr auf dich traue ich" von Buxtehude. Foto: g hammer
Engelhardt ging in seiner Predigt der Frage nach ob "Protestanten (noch) stolz sein dürfen" auf ihren Glauben. Im Gegensatz zu Katholiken würden die "dauernachdenklichen" Protestanten ihren Glauben „immer wieder neu erfinden und legitimieren, was eben "recht protestantisch" sei. Engelhardt stellt als einen von mehreren Punkten heraus, er verbinde mit dem Evangelisch-sein, "dass ich unsere Kanzeln besetzt sehen will von Frauen und Männer, die in einer heute wahrlich unzeitgemäßen Beharrlichkeit dem oft sperrigen Bibelwort verpflichtet sagen, was sonst nicht zu hören ist in einer eigentlich wortarmen Gesellschaft". Als weiteren Grund nannte er "dass mit meinen Kirchensteuerbeiträgen Menschen zur Sache gerufen, aufgerichtet, getröstet und begleitet werden". Freilich wünsche er sich die evangelische Kirche auch "bunter und spiritueller".

Engelhardt erinnerte, dass der Apostel Paulus sich auf das "frei machende, erlösende Wort" berufen habe, das durch Evangelium vermittelt werde. Paulus habe sich des Evangeliums nicht geschämt, sondern "das Thema seine Lebens. sein Gottesglück gefunden" darin gefungen. Dies habe den Apostel "unverschämt glücklich" sein lassen, meinte Engelhardt. Dem gegenüber müssten viele Menschen die Erfahrung machen, "dass wir uns selbst nicht gerecht werden können", was zu einer Angst um gelingendes Leben führe und zu einem "Bangen um die vom Zerbrechen bedrohte Identität".

Doch Gott mache die Menschen "heil, ganz und schön" nicht weil sie durch ihre Eigenschaften oder Taten verdient hätten, sondern aus "eigenem Gusto, aus Liebe", sagte Dekan. Diese Liebe Gottes zu den Menschen sei in Christus zum Ausdruck gekommen, der zum "Osterlamm" wurde und den "totalen Triumph des Bösen" erlebten musste. Dennoch schämt sich Gott nicht der Menschen, und geht ihren Weg mit. Deshalb sei auch die Burg des Glaubens im evangelischen Sinne nicht verriegelt oder abgeschlossen für alles Fremde und Feindliche , sondern "sperrangelweit offen" für jeden. Darauf könnten die Menschen in der Kirche "un-verschämt stolz sein", so Dekan Engelhardt.



Die komplette Predigt von Dekan Engelhardt finden Sie HIER

1. 11. 08



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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg