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aus: Badische Zeitung vom Montag, 26. September 2005
Gottesdienst auf dem Titisee zum Thema "Fischen versöhnt"
Versöhnung ist der größte Fang
Von Sebastian Barthmes
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TITISEE-NEUSTADT. Ruhig liegt der See an diesem Morgen, die Sonne scheint, und die "Carola" schaukelt sanft im Wasser: Mit einem Gottesdienst auf dem Titisee wollte der Arbeitskreis für Mission und Ökumene im evangelischen Kirchenbezirk Freiburg am Sonntag auf ein Projekt in Indonesien aufmerksam machen, wo, nach sehr unruhiger Zeit, ehemals verfeindete Menschen wieder in friedliches Fahrwasser kommen wollen. "Fischen versöhnt" lautete das Thema des Gottesdienstes, den rund 115 evangelische und katholische Gläubige erlebten.
Schlimm waren die Jahre auf der indonesischen Insel Halmahera, die zur Inselgruppe der Molukken gehört. Soziale Unterschiede waren dort Auslöser eines Bürgerkrieges gewesen, der sich zum Religionskrieg zwischen christlichen und muslimischen Menschen entwickelt hatte. Menschen mussten fliehen, viele wurden auch getötet allen wurde nicht nur die wirtschaftliche Lebensgrundlage geraubt.
Christen haben Moscheen angezündet, Muslime brannten Kirchen nieder, sagt Pfarrer Wolfgang Kammerer aus Freiburg, der den Gottesdienst leitet. Doch wo vor kurzer Zeit noch Tod, Verwüstung und Vertreibung waren, entsteht jetzt wieder gemeinsames Leben, hören die Gottesdienstbesucher - nach dem "Molukkischen Karfreitag" beginne nun das "Molukkische Osterfest". "Wir sind alle Geschwister, wir müssen nicht verfeindet sein. Lasst uns in Frieden leben", schreibt eine Schülerin auf der Insel Halmahera.
Betrieben von der dortigen Kirche und in diesem Jahr vom Evangelischen Missionswerk Südwestdeutschland besonders gefördert, ist dort eine christlich-muslimische Kooperative gegründet worden: Angehörige beider Religionen fahren aus, um gemeinsam einem Beruf, dem Fischen nachzugehen. Der Fang wird vermarktet, der Erlös selber verwaltet. Mit den Spendengeldern sollen weitere solche interreligiösen Kooperativen gegründet und so neben der Hilfe zur Versöhnung auch ein Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau geleistet werden.
Die Verbundenheit mit den Menschen in Indonesien zeigte der Gottesdienst auf dem Rundfahrtschiff, das dem Kirchenbezirk kostenlos zur Verfügung gestellt worden war, eindrücklich, und gleichzeitig könne er auch ein Zeichen für unser eigenes Land sein, sagte Kammerer - auch hier sollen Gläubige beider Religionen in Frieden und in gegenseitigem Verständnis zusammen leben.
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"Fischen versöhnt"
Ungewöhnlich:
Friedensinitiative in Indonesien wird auf dem Titisee gefeiert.
Evangelischer Kirchenbezirk Freiburg unterstützt christlich-muslimische Gruppen
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Titisee/Freiburg (gh). Zu einen ungewöhnlichen Gottesdienst an einem ungewohnten Ort mit einem ungewöhnlichen Thema lädt der Evangelische Kirchenbezirk Freiburg ein. "Fischen versöhnt", unter diesem Titel wird am Sonntag, 25. September 05, ab 10.30 Uhr, ein Gottesdienst während einer Schifffahrt über den Titisee gehalten. Im Kirchenbezirk will man damit auf eine außergewöhnliche Friedensinitiative im fernen Indonesien hinweisen, bei der Christen und Muslime gemeinsam eine neue Existenz aufbauen. Denn dort auf der Inselgruppe der Molukken haben christliche und muslimische Fischer nach Jahren eines blutigen Bürgerkrieges (1999 bis 2002) einen versöhnenden Neuanfang gemacht. Unterstützt wird dieser Friedensbeginn vom Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland (Stuttgart) und seit neuestem vom Freiburger Bezirksbeauftragen für Mission und Ökumene, Pfarrer Wolfgang Kammerer.
Wenn das Fahrgastschiff "Carola" auf dem Titisee zur Gottesdienstfeier ablegt wird an Bord ein Altar aufgebaut sein und eine Posauenenchor wird die Gläubigen einstimmen. Pfarrer Kammerer, der auch Gemeindeseelsorger der Christuskirche in Freiburg ist, hält der Gottesdienst zusammen mit Gemeindegliedern aus dem Hochschwarzwald.
Im Mittelpunkt steht die Initiative "Fischen versöhnt", die auch vom Evangelischen Missionswerke in Südwestdeutschland (EMS) zum Jahresprojekt erklärt wurde. Bei diesem Projekt auf der anderen Seite der Erdkugel geht es um eine Fischereikooperative, die von der evangelischen Kirche in Halmahera (Molukken), angestoßen wurde. Christliche und muslimische Fischer fahren seither auf einem eigenen Boot zum gemeinsamen Fang aus. Ziel des Projekts "Fischen versöhnt" ist es, ein Netzwerk christlich-muslimischer Fischergruppen aufzubauen, um den Menschen in Halmahera eine friedliche Zukunft zu sichern.
Im Juni 2004 wurde das erste Fischerboot eingeweiht und in diesem Jahr sollen auf der Molukken-Insel weitere vier Kooperativen gegründet werden. Die Gruppen werden mit Kuttern, Material und dem nötigen Know How ausgestattet, um gemeinschaftlich Fischfang zu betreiben. Dazu gab es eins Starthilfe von 15.000 Euro aus Deutschland.
Die Vermarktung des Fangs wird dann meist von christlichen und muslimischen Frauen in den Dörfern übernommen. "So können die Ressourcen und Marktbedingungen der Region optimal genutzt werden", ist man beim EMS überzeugt. Das Projekt werde zusätzlich auch von einem Bildungsprogramm begleitet und kirchliche Mitarbeiter werden in den Dörfern Halmaheras zu "Peace Workers" ausgebildet. Dies alles fördere die interreligiöse Verständigung, heißt es.
Der Kirchenbezirk hat schon lange Verbindungen zu Kirchen in Indonesien und sieht in diesem Projekt ein gelungenes Beispiel ökumenischer Zusammenarbeit mit den Kirchen des Südens. Es steht exemplarisch für die vielen Verbindungen des EMS zu den Kirchen des Südens.
Beim Gottesdienst auf dem Titisee wird über das interreligiöse Projekt ausführlich informiert, auch durch Mitarbeiter des EMS, die die Lage vor Ort kennen. Und sicherlich wird auch das Lied "Ein Schiff das sich Gemeinde nennt" gesungen, das der ehemaligen Freiburger Kantor Martin Gotthard Schneider Anfang der 60er Jahre komponiert hat und das auch in die molukkische Landessprache übersetzt worden ist.
weitere Information auch bei www.ems-online.org
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Feeback an Günter Hammer
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