Freiburg (gh). "Mofa" nannte man ehedem jene Zweiräder, die leicht wie ein Fahrrad aber mit einem kleinen Motor ausgerüstet, flink und wendig meist von Jugendlichen gelenkt, in den Städten und Dörfern unterwegs waren (Mofa = Motor + Fahrrad). Ähnlich leicht und wendig sollte in der Dreisamstadt ein anderes "MOFA" sein, das allerdings von Senioren gesteuert wird. Gegründet wurde dieses "MOFA" vor 20 Jahren, und heißt komplett "Mobiler Freiburger Altenservice e.V.". Am kommenden Donnerstag, 8. Oktober 2009 feiert Mofa ab 16.30 Uhr sein Jubiläum in der Cafeteria des Evangelischen Stifts, Hermannstr. 10.
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| Schlicht aber effektiv: das Mofa-Büro im Evang. Stift. Foto: G. Hammer |
Hinter dem Jubilar verbirgt sich eine kleine Organisation von rund 70 meist älteren Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, anderen Altersgossen bei ihren Alltagsproblemen zu helfen. Entweder ganz konkret, durch aktive Hilfe oder durch die Mitgliedschaft im Verein. Es ist ein einfaches aber effektives Konzept, das seit zwei Jahrzehnten aufgeht. Im vergangenen Jahr konnten in über 400 Fällen ganz konkrete Unterstützungen geleistet werden. Das Motto dabei "Senioren helfen Senioren".
Dreh- und Angelpunkt von Mofa ist das kleine Büro im Untergeschoss eines Gebäudes des Evangelischen Stifts. Hier, wo die Heizrohre unter an der Kellerdecke laufen, und die Lampe auch Mittags brennen müssen, damit der Raum hell ist, macht beispielsweise auch Eckart Kretzer einmal monatlich seinen Dienst. "Alle, die anrufen, versuchen wir noch am gleichen Tag Hilfe zu vermitteln", sagt der 72-jährige ehemalige Kaufmann. Diese Hilfen reichen von praktischen Arbeiten im Haus und Garten, über kaufmännische Unterstützung bis zu Begleitdiensten. Für fast alle Bereiche gibt es ehrenamtliche Experten, die auf Abruf zur Verfügung stehen.
Da ist es gleich ob eine alte Uhr oder eine Nähmaschine zu reparieren ist, ob Haushaltgeräte defekt sind oder ein Regal mit Dübeln montiert werden muss. Auch für Fragen rund um Computer und Telefon, für kleine Umzüge, selbst für’s einfache Möbelrücken, bei fast allen Alltagsbereichen kann Mofa ehrenamtliche Helferinnen oder Helfer vermitteln. Die Helfenden seien meist auch Senioren häufig ab 60/65 Jahre, die sich eine Beschäftigung suchen, berichtet Kretzer. In einem vorsintflutlich wirkenden Karteikasten und einem großen schwarzen Buch werden alle Hilfesuchenden und Helfenden festgehalten. Einfach, unbürokratisch und effektiv. Tropft ein Wasserhahn? Unter dem Buchstaben "S" wie Sanitär findet Eckart Kretzer rasch einen Fachmann. Sucht eine behinderte ältere Dame eine Begleitung zum Arzt? Nach kurzem Nachdenken sind zwei Telefonnummern von möglichen Helferinnen gefunden und gleich die erste Ehrenamtliche sagt zu.
Zwei Mal in der Woche, immer dienstags und Donnerstag von 10 Uhr bis 12 Uhr ist das Büro besetzt (Telefon: 0761 31913 - 147). Einmal monatlich treffen sich die Vereinsmitglieder zum Austausch.
"Wir helfen in erster Linie Leuten, die in einer Notlage sind", erklärt Kretzer. Mit Handwerkern wolle man keinesfalls in Konkurrenz treten. So ist die Hilfeleistung auch kostenlos, lediglich Auslagen für Material müsse ersetzt werden. Auch er selbst war schon im Einsatz, meist berät der ehemalige Geschäftsführer zum Umgang mit Behörden und Banken. "Man ist erst mal befangen und betroffen, wenn man zu jemanden kommt der gar nichts mehr selbstständig machen kann und alleine lebt", sagt der Rentner. Sechzig Stunden arbeite er im Jahr bei Mofa,. Andere würden viel mehr Einsatzstunden absolvieren. Es gäbe einen festen "Kundenstamm", doch immer wieder stoßen neue "Kunden" dazu.
"Ich wusste gar nicht wie viel angefragt wird", so Eckart Kretzer. An diesem Vormittag läutet schon zum vierten Mal das Telefon. Dreimal konnte er eine Hilfe vermitteln, in einem Fall war schon eine Auskunft ausreichend. Kretzer, der vor einigen Jahren selbst schwer erkrankt war macht seine Aufgabe gerne. Er achtet darauf, dass es für ihn selbst nicht zu viel wird. Doch er weiß genau was ihm sein ehrenamtliches Engagement wert ist. "Wenn sie so etwas tun, werden sie nicht älter, jedenfalls nicht so schnell", sagt er lächelnd.
1. 10. 09
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