Freiburg (gh). Der Evangelische Kirchenbezirk wird an dem langfristig eingeschlagenen Weg mit seinem Gebäudekonzept fest halten. Mehrere kirchliche Häuser sind saniert und renoviert worden und es sei, so der Veraltungschef Friedhelm Roth, bereits "Beachtliches erreicht worden". Doch etliche Projekte sind offen, darunter manch großer Brocken. Auch was mit dem alten Pfarrhaus bei der Christuskirche in der Maienstraße 2 geschieht, ist noch nicht geklärt. Dies wurde bei einem Pressegespräch deutlich, das kürzlich im Ernst-Lange-Haus stattfand.
Was geschieht mit dem Jugendstilensemble in der Maienstraße? Wird das traditionsreiche, über hundert Jahre alte Gebäude verkauft? Wer wird dann einziehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich offenbar einige Leute im Stadtteil Wiehre. Anlass für die Presse, bei der Kirchenleitung nachzufragen.
"Das alte Pfarrhaus ist in einem beklagenswerten Zustand", sagen unisono Jörg Frenzel und Reinhard Schelkes, die beiden Vorsitzenden des Finanz- bzw. Bauausschusses der Freiburger Stadtkirche. Die benötigten Kosten für eine grundlegende Sanierung in dem Traditionsgebäude von 1,8 bis zu 3 Millionen Euro könne die Freiburger Kirche nicht aufbringen. Auch Pläne, wonach die badische Landeskirche aktiv als Investor in das Projekt einsteigen würde, haben sich zerschlagen. Dies bedeutet, dass nun intensive Gespräche mit Interessenten geführt werden. "Wir können diese Kosten nicht stemmen, wollen aber auf jeden Fall einen Fuß in dem Haus behalten", sagt Dekan Markus Engelhardt. Das ganze untere Geschoss soll danach für die gemeindliche Arbeit der Christuskirche zur Verfügung bleiben. Mie einem Teileigentumskonzept könnte das Haus weiter für die evangelische Kirche nutzbar sein. Gemeindepfarrerin Ute Jäger-Fleming ist wichtig, dass besonders für die Kirchenmusik mit den vielen Chören und die Konfirmandenarbeit gute Räume zur Verfügung stehen. "Wir möchten unsere Gebäude bewusst und verantwortungsvoll sanieren", erklärt sie.
Bisher sei man mit den Überlegungen zur Maienstraße 2 noch nicht in die Öffentlichkeit gegangen, berichtet Friedhelm Roth. "Wir prüfen derzeit intensiv, welchen Vorschlag zum weiteren Vorgehen wir der Stadtsynode im November unterbreiten können". Denn die Synode habe schließlich das letzte Wort.
In den letzten drei Jahren konnte im gesamten Stadtkirchenbezirk das Flächenreduzierungsprogramm durch intelligente Lösungen deutlich fortgeschrieben werden. So sind in der Melanchthon-, der Zachäus-, der Ludwigs,- der Matthäus-, der Friedens-, der Kreuz und der Bonhoeffergemeinde die unterschiedlichsten Lösungen gefunden worden. Überall sind inzwischen gemeinsame Pfarrämter in den neuen Pfarrgemeinden eingerichtet. Manche Räume wurden an die Stadt oder an kooperierende Partnerorganisationen vermietet. Andere Räume konnten für die Kindergartenarbeit umgewidmet und entsprechend saniert werden.
Bei dem Objekt Maienstraße hätten sich erste Interessenten nach dem Objekt erkundigt, erklärt Jörg Frenzel. Weil man aber die Gemeinderäume im Erdgeschoss für die kirchliche Arbeit erhalten wolle, stünden nur die weiteren Obergeschosse in der Diskussion. Bis unters Dach stünden aber so insgesamt 800 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Ein Teil dieser Fläche (1. Obergeschoss) wird zurzeit von einer studentischen Wohngemeinschaft der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) genutzt.
Aktuell noch nicht geklärt ist, wie es mit den Räumen für den Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC) weiter gehen soll. "Der ABC wird bei diesen Perspektiven leider nicht in der Maienstraße bleiben können", so Dekan Engelhardt. Bisher nutzt diese Einrichtung des Diakonievereins beim Diakonischen Werk Freiburg einen Teil des Erdgeschosses und weitere Räume in einem der Obergeschosse. Im Moment werde geprüft, ob für die ABC-Arbeit künftig ein anderes kirchliches Areal in der Wiehre geeignet ist. Doch sei "auch diese Immobilie mit Fragezeichen" versehen.
Der ABC ist vor 40 Jahren aus der gemeindlichen Arbeit an der Christuskirche hervor gegangen und zählt inzwischen die ganze Stadt und die Umgebung zu seinem Einzugsgebiet. Er ist durch die Jahrzehnte für die Stadt Freiburg sowie für Kirche und Diakonie ein wichtiger und anerkannter Arbeitszweig der Freizeit- und Bildungsarbeit für und mit behinderten Menschen geworden. Die Verantwortlichen für den ABC seien informiert und in den Kommunikationsprozess einbezogen, betont der Dekan.
Außer dem alten Pfarrhaus in der Maienstraße hat die Freiburger Kirche aber noch weitere große Immobilienprojekte zu lösen. Neben dem "Thomas-Areal" in der Tullastraße im Stadtteil Zähringen sucht man zu Zeit vor allem nach nachhaltigen Lösungen für das "Luther-Areal" am Friedrich-Ebert-Platz sowie das "Paulus-Areal" in der Dreisamstraße. Für die beiden letztgenannten sehr komplexen Gebäulichkeiten wird eine Machbarkeitsstudie bei der landeskirchlichen Planungsgesellschaft "Prokiba" in Auftrag gegeben. Auch zur Zukunft der Immobilien um die Markuskirche im Stadtteil Mooswald mache man sich Gedanken. Wie es mit der Maienstraße nun konkret weitergeht, werden wohl die nächsten Monate zeigen. Eines steht allerdings heute schon fest, weiß Jörg Frenzel: die Jugendstilimmobilie ist nichts für "Schnäppchenjäger".
23. 8. 2011
Lesen Sie zum Thema "Sanierung kirchlicher Gebäude" auch einen Beitrag aus der Badischen Zeitung:
Kompromisse sind gefragt (veröffentlicht am 24. August 2011 auf badische-zeitung.de)
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