aktuell




Ein Geist - viele Dächer
Das Fest zum Jubiläum
Freiburg (gh).Mit einem unterhaltsamen und informativem Festakt im Historischen Kaufhaus am Freitag und einem wunderbaren Festgottesdienst in der Ludwigskirche am Sonntag feierte die Evangelische Kirche in Freiburg an Kantate (4. / 6. Mai 2007) ihren 200.
Im Historischen Rathaus fand der Festakt statt.
Geburtstag. Das Wochenende stand unter der Überschrift "200 Jahre evangelisch in Freiburg - Wir fragen weiter". Lukas Kundert, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche in Basel-Stadt hielt im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses vor viel Prominenz (Oberbürgermeister, Prälat u. a.) die Festrede. Er war kurzfristig für den ursprünglich angefragten Kirchentagspräsidenten Reinhard Höppner eingesprungen, der schwer erkrankt ist. Kundert grüßte als "helvetische Schwester" die Freiburger Protestanten mit einem theologisch hoch stehenden Festvortrag um die Bedeutung und Wirklichkeit des Bibellesens.

Zuvor hatte "Hilde" die Festgemeinde in der "guten Stube der Stadt" mit auf eine Zeitreise genommen. Die Schauspielerin (Sybille Denker), in Biedermeierkleid und mit Staubwedel ausgestattet, stellte sich als Haushaltshilfe Johann Peter Hebels vor. Sie führte in vier Etappen durch die zwei Jahrhunderte evangelischer Kirchengeschichte in Freiburg. Dabei klammerte sie auch die tragischen und traurigen Kapitel, die bittere Rolle der Pfarrerschaft im Ersten Weltkrieg und den Konflikt innerhalb der Evangelischen Kirche Freiburgs in der Nazi-Zeit nicht aus. Sie würdigte die großen Personen der lokalen Kirchengeschichte, vor allem Johann Peter Hebel, Carl Mez und die Mitglieder des Freiburger Kreises.

Mit Staubwedel und im Bidermeierkleid: "Hilde die Haushaltshilfe von Johann Peter Hebel.
Umrahmt wurde der Festakt von dem Trio "Badischer Musenalmanach" das mit Stücken aus der Gründerzeit der Kirchengemeinde leichte und kurzweilige Abwechslung bot.

Oberbürgermeister Dieter Salomon betonte in seinem Grußwort die Grundsätze von Gerechtigkeit und Solidarität in der Politik der Stadt. Alle Menschen müsstne die gleichen Lebens- und Bildungschancen haben, niemand dürfe ausgegrenzt werden. "Das christliche Menschenbild ist heute überall auf der Welt dominant - das ist der eigentliche Sieg des Christentums", rief der OB den Festgästen zu. So seinen auch Menschen, die sich nicht explizit zum Christentum bekennen, vom ihm geprägt.

Dekanstellvertreter Hansjörg Rasch vom römisch-katholischen Stadtdekanat betonte das "gute und fruchtbare Miteinander" der Kirchen in Freiburg. Die Evangelische Kirche der Stadt stünde nicht "im Schatten des Münsters", griff er einen häufig gehörte Satz auf, "sondern im Antlitz Christi". Er ermahnte die versammelten Kirchenvertreter, dass durch die neu geschaffenen Strukturen in beiden Kirchen ("Unionen" bei den Evangelischen und "Seelsorgeeinheiten" bei den Katholiken) "wir nicht an den Menschen vorbei gehen".

Von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden (ACK) in Freiburg überbrachte Helen Rose Wilson die Grüße des Leitungskreises. Sie wünsche sich, dass die Kirchen mehr voneinander lernen und intensiver aufeinander eingehen. Es gälte den Reichtum der verschiedenen Traditionen wahrzunehmen und so zum ökumenischen Fortschritt beizutragen

Kirchenratspräsident Lukas Kundert bei seiner Festrede. Fotos: Günter Hammer
Für badische Landeskirche sprach der südbadische Prälat Hans Pfisterer. Der verwies auf den "Kirchenkompass-Prozess" in der Landeskirche und die darin verankerten Leitbilder. So sei Kirche in Freiburg wie der "Leib Christi, der in der Einheit in Vielfalt" lebt. Es gälte die Grenzen der eigenen Konfession "zu dehnen so weit das möglich ist".

Festgottesdienst

Der Festgottesdienst im Sonntag in der Ludwigskirche wurde dann zu besonderen musikalischen, liturgischem und gepredigtem Erlebnis. Carsten Klomp hat mit dem Herdermer Vokalorchester und Consort sowie mit Solisten die Missa brevis in G-dur von Johann Sebastian Bach zu einem bemerkenswerten Ausdruck von Lob und Dank bei diesem festlichen Anlass gemacht. Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht stellte in seiner Festtagspredigt fest: "Die Freiburger Gemeinde will sich den Fragen der Gegenwart und der Zukunft stellen, schaut nach vorne, fragt nach vorne, will Antworten suchen für das, was die Menschen in dieser Stadt heute, morgen und übermorgen bewegt." Es gälte innerhalb der Kirche die "Gemeinschaft höher zu stellen als den Blick auf den eigenen Kirchturm", die neu geschaffenen Strukturen in Freiburg könnten dazu beitragen. Er würdigte besonders die große diakonische Tradition mit den unterschiedlichen Einrichtungen die sich über die zwei Jahrhunderte aus der Kirchengemeinde heraus entwickelt hat.

Dekanstellvertreterin Bärbel Schäfer, die eine nüchterne und zugleich feierliche Liturgie entfaltete konnte nach dem Gottesdienst noch zu einem kleinen Imbiss im Musiksaal und auf dem Kirchplatz einladen. Dort war über dem Eingang der Kirche das Motto des Jubiläumsjahres mit einem großen Banner zu lesen: "200 Jahre evangelisch in Freiburg - ein Geist, viele Dächer".


14. 5. 07



profile-design 2003/2004/2005/2006 gh webmaster

Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg

Besucher seit dem 10. Februar 2003