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Neue Chancen für alte Flächen in der Kirche
Das Immobilienkonzept der Evangelischen Kirche in Freiburg
Freiburg (gh). Die evangelische Kirche in Freiburg hat in den letzten Jahren ihren tatsächlichen Immobilenbedarf überprüft und ist seit einige Zeit dabei, diesen für die Zukunft anzupassen. Aus aktuellem Anlass stellen wir hier das so genannte Immobilienkonzept, dessen Grundlage und die Auswirkungen kurz dar.

Seit 1993 ist die Entwicklung der Einnahmen durch Kirchensteuern rückläufig. Das hatte in den letzten Jahren und hat auf Dauer erhebliche Auswirkungen. Die für die Unterhaltung, Sanierung und Investitionen in den vorhandenen Gebäudebestand notwendigen Finanzmittel standen in der Vergangenheit nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung und werden auch in der Zukunft geringer sein als in der Vergangenheit. Die erforderlichen Substanzerhaltungsrücklagen konnten nicht gebildet werden. Jetzt müssen über Jahre ausgebliebene Sanierungsmaßnahmen in einem großen Kraftakt nachgeholt werden, was auch zu einer Reduzierung bisher vorhandener Flächen in Kirchen, Sakralräumen und Gemeindehäusern führt.

Im Wissen um diese schwierige Lage in den Pfarreien hatte auch die Landessynode, mit entsprechenden Durchführungsverordnungen des Kirchenbaugesetztes, gezielte Flächenvorgaben für die Gemeinden entwickelt, die langfristig umgesetzt werden.

Auf dieser Grundlage hat die Freiburger Stadtsynode im April 2007 ein großangelegtes Immobilienkonzept verabschiedet. Dieses Konzept sieht die Reduzierung der selbst genutzten Flächen in Kirchen, Sakralräumen, Gemeindezentren und Pfarrhäusern um über 40 Prozent vor. Hatte die Evangelische Kirche im Jahr 2004 noch Raumflächen von zusammen 17.500 Quadratmeter zur Verfügung, werden künftig nach den Planungen rund 10.000 Quadratmeter ausreichen müssen. Aktuell ist der Planungsstand von 12.000 Quadratmeter erreicht.

Freilich werden zur Umsetzung dieser Planung die Gebäude nur geringem Maße aufgegeben oder verkauft. Die Kirche vermietet einen Teil ihrer Flächen oder gibt sie im Erbpachtverfahren ab. Zudem hat sich herausgestellt, dass die starken Wachstumsbedarfe der Kindertagestätten zu einem erheblichen Teil in bisherigen Gemeinderäumen gestillt werden kann, die dann umwidmen und umzubauen sind.

Das Freiburger Immobilienkonzept sieht dabei drei Kategorien vor. In Gebäude in Priorität Eins wird investiert und es wird die Substanzerhaltungsrücklage gebildet. Bei Priorität Zwei-Gebäuden besteht Diskussionsbedarf. Gelingt es, die Substanzerzerhaltungsrücklage zu bilden, also durch Vermietung oder sonstige Maßnahmen wirtschaftlich rentable Einnahmen zu erzielen, wird in diese Räume investiert. Gelingt dies in absehbarer Zeit nicht, rutschen diese Häuser in Kategorie Drei. Bei diesen Gebäuden werden nur noch Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und eine Vermarktung wird angestrebt.

Die schrittweise Umsetzung des Immobilienkonzeptes macht es nun möglich, Gebäude der Kategorie 1, also Gebäude die dauerhaft Bestand haben sollen, durch erhebliche Investitionen, insbesondere in die Senkung des Energiebedarfs für die Zukunft fit zu machen.

Flächeneinsparungen konnten seit 2004 entlang des Planungs-Konzepts bereits in etlichen Fällen bereits vorgenommen werden. So wurde der größte Raum der Freiburger Kirche, der Paulussaal in der Innenstadt mit über 1.000 Sitzplätzen, von der rechtlich unabhängigen Evangelischen Stadtmission gepachtet, die in dem Traditionssaal Kultur- und Theaterveranstaltungen organisiert.

Beim Spatenstich zum Aus- und Umbau des Melanchthonsaals zum Stadtteilbüro und Bürgertreff.

Ein ebenfalls großer Gemeindesaal bei der Melanchthonkirche (Stadtteil Haslach) wird aktuell umgebaut und künftig gemeinsam mit der Stadt Freiburg für das Stadtteilbüro und ein Bürgerzentrum genutzt. Im Untergeschoss des Gemeindezentrums der Matthäuskirche wird noch im Sommer ein kommunales Jugendzentrum einziehen. In weiteren vier Fällen werden ähnliche Projekte angestrebt. Die Kooperation von Kirche und Kommune sei eine "klassische Win-Win-Beziehung" betonten sowohl Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) als auch Dekan Markus Engelhardt bei der Grundsteinlegung zum Aus- und Umbau des Melanchthonsaals.

Bisher wurde erst ein Haus, im dem ehemals das Pfarramt der Ludwigsgemeinde, das Bezirkskantorat, sowie ein Gemeindesaal und Pfarrwohnungen untergebracht waren, verkauft. Mit dem Erlös aus diesem Verkauft konnte aber das neue Gruppen- Pfarramt der Pfarrgemeinde Nord bei der Ludwigskirche errichtet werden, das kostengünstiger zu unterhalten ist.

In der Thomaskirche im Stadtteil Zähringen wird die Kirche inzwischen auch von einer orthodoxen Gemeinde genutzt, die in Freiburg über keine eigenen Räume verfügt. Und auch in der Petruskirche (Stadtteil Wiehre) werden die Räume von einer anderen christlichen Kirche mit genutzt, hier feiert die anglikanische Gemeinde regelmäßig ihre Gottesdienste.

Beim Prozess der Flächenkonzentration und Gebäudesanierung wird großer Wert auf die Mitwirkung der Gremien vor Ort gelegt. Entlang der neuen Organisationsstruktur der Freiburger Evangelischen Kirche (sog. "Freiburger Weg") sind die Ältestenkreise aktiv in alle Planungen eingebunden. Dabei entstehen auch Lösungen, die deutlich machen, "Kirche in der Stadt, ist auch Kirche für die Stadt", wie die genannten Beispiele Jugendzentrum und Stadtteilbüro zeigen.

Günter Hammer

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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg