Freiburg/Karlsruhe (17.9.2003). Am nächsten Mittwoch um 20 Uhr startet der erste deutsche Internetchat für trauernde Jugendliche. Initiator ist die Hospizgruppe Freiburg. Deren neuer homepage www.alles-ist-anders.de, die seit Anfang August im Netz ist, unterhalten sich bereits mehr als zwanzig Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren mit Trauererfahrung in den Foren miteinander.
Mayra (25) aus Freiburg weiß, wie man sich fühlt, wenn der eigene Vater gestorben ist. Sie möchte ab Mittwoch mitchatten und durch ihre Erfahrungen anderen Jugendlichen helfen. Mayra: "Ich war out bei meinen Freunden. Viele wollten mit mir nichts mehr zu tun haben, nichts von meiner Trauer hören. Sie fanden, dass ich ein Stimmungskiller bin. Auch die Erwachsenen haben meine Gefühle nicht verstanden. Mein Leben ist anders geworden, seitdem mein Vater tot ist. Da ist eine große Lücke. Die anderen fanden, dass ich ein paar Monate später doch wieder ganz normal sein sollte und aufhören mit dem Trauern. Aber auch jetzt, sechs Jahre später, komme ich noch nicht damit klar." Bei Joel (24) war es ähnlich. Joel: "Eine Woche später hatten meine Freunde schon wieder vergessen, dass ich um meinen Vater trauere." Joels Vater kam vor vier Jahren bei einem Unfall ums Leben.
"Das Schlimmste ist das Gefühl, allein zu sein mit seiner Trauer. Keiner versteht einen. Man ist total einsam. Viele trauernde Jugendliche machen sich Vorwürfe, dass sie gegenüber dem Verstorbenen etwas versäumt haben. Viele denken daran, sich das Leben zu nehmen," hat Ulrike Bilger, Leiterin der Freiburger Hospizgruppe in zahlreichen Gesprächen festgestellt.
Die homepage ist durch Spenden entstanden. Nun werden weitere Spender und Sponsoren gesucht. Bilger: "Langfristig möchten wir gern einen Mitarbeiter einstellen, der die homepage, die Foren und den chat betreuen kann. Wir rechnen damit, dass sehr viele Jugendliche diese Möglichkeit in Anspruch nehmen werden, mit Gleichaltrigen über Trauererfahrungen sprechen zu können."
Mayra und Joel raten Jugendlichen, sich von trauerenden Freunden auf keinen Fall zurückzuziehen. Joel: "Lieber mal ein falsches Wort als gar keines."
Der chatroom ist ab jetzt jeden Mittwoch um 20 bis 22 Uhr geöffnet
Pressemitteilung des Diakonischen Werks Baden
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