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Gagfah belässt es bei den Mängeln
Dekane besuchen gemeinsam mit MdB Andreae den Auggener Weg
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Freiburg (gh). Nichts getan hat sich in der Auggener Weg seit dem ersten Besuch der beiden Freiburger Dekan im März. Recht frustriert mussten dies Claudius Stoffel, katholischer Dekan und Wolfgang Schmidt, evangelischer Dekanstellvertreter bei einem zweiten Besuch in der Wohnanlage am Rande Weingartens zur Kenntnis nehmen. Am vergangenen Montag hatten sie bei ihrem Besuch jedoch prominente Unterstützung. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Kerstin Andreae, beleitete die beiden Geistlichen und war am Ende "sauer". Denn sie hatte im Vorfeld des Besuchs mit Verantwortlichen der Firma Gagfah in Essen gesprochen, und Zusagen für eine rasche Verbesserung der Situation in den völlig verwohnten Wohnungen erhalten.
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| v.l.n.r.: Lioba Grammelsbacher (Grüne Fraktion Freiburg), Gerlind Heckmann (Quartiersarbeit) , Stefanie Bruckmeir (kath. Gemeinde), Dekanstellvertreter Wolfgang Schmidt (evang), Dekan Claudius Stoffel (kath) und MdB Kerstin Andreae (Grüne) mit Kind in der Wohnung eines Mieters. Sie beraten wie den Mietern in ihren desolaten Wohnungen geholfen werden kann. Foto: G. Hammer |
Doch seit März ist so gut wie nichts geschehen, wie Mieter berichten. Das heißt doch, eines ist zu vermelden: die Mieten sind gestiegen. In den vergangenen drei Jahren, seit Gagfah die 120 Wohnungen von der Freiburger Stadtbau erworben hat, wurden die Wohnungen dem Freiburger Mietspiegel angepasst, was eine Mietzinserhöhung von knapp 20 Prozent in diesem Zeitraum bedeutet. Die Mieter sind verärgert, wie mit ihnen umgegangen wird, denn Briefe an Gagfah werden lapidar mit Textbausteinantworten abgewimmelt. "Man gewinnt den Eindruck, dass hier nur Rendite rausgeholt werden soll", meinte denn auch Wolfgang Schmidt, der als Stellvertreter für den erkrankten Dekan Engelhardt vor Ort war. Für seinen katholischen Kollegen Claudius Stoffel, ist das eine "schamlose Art und Weise", wie hier mit Menschen umgegangen werde.
In den Wohnungen, die mangelhafte Elektroinstallationen haben, wo es durch teilweise sehr morsche Fensterrahmen zieht und die Fußböden zum Teil aufgerissen sind und sich an manchen Außenwänden der Schimmel festgesetzt hat, erziehen die Familien auch ihre Kinder, so Stoffel. Den Mietern würden verbriefte Rechte vorenthalten, sagte der katholische Dekan. Kerstin Andreae erkärte, dass die Mängel in den Wohnungen, die von Gagfah beseitigt werden müssten, völlig offensichtlich seien. Sie gehe davon aus, dass der Zustand im Auggener Weg Rückschlüsse auf anderen Gagfah-Wohnungen im Bundesgebiet erlaube. Daher werde sie Recherchen in andeen Städten mit Wohnungen der Essener Wohnungsbaugesellschaft anstellen. "Ich sehe von den versprochenen Änderungen nichts", sagte Andreae, der in Telefonaten die Beseitung der Mängel zugesagt war.
Jetzt will der "Weingartner Arbeitskreis Soziales" (WAS) und die Quartiersarbeit beim Forum Weingarten überlegen einen Rechtsanwalt einzuschalten, um die Mieter zu unterstützen.
29. 7. 09
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Freiburger Dekane: Wohnsituation ist ein "Skandal"
Diakonisch-seelsorglicher Besuch bringt Wohnungsmängel zu Tage
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Freiburg (gh). Als "Verhöhnung der Mieter" bezeichnete Freiburgs Evangelischer Dekan, Markus Engelhardt, die Zustände in Wohnungen in einem der zum Wohnungsunternehmen "gagfah-Group" gehörenden Blocks in Weingarten-West. Sein Katholischer Kollege, Stadtdekan Claudius Stoffel, sprach im Anschluss an eine Besichtigung im Auggenerweg am Mittwochvormittag von einem "Skandal". In fast allen Wohnungen des in den späten 60er Jahren gebauten achtgeschossigen Wohnblocks zieht es kräftig durch die teilweise maroden Fenster, die Räume seien schwer heizbar, berichtet eine Mieterin, und weitere Mängel sind offenkundig.
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| Sprachlos stehen die beiden Dekane vor einem Fenster im siebten Stockwerk, das mit einem Fahrradschloss vor dem Herausfallen gesichert ist. |
"Es gab im vergangenen Winter Tage, da erreichten wir hier gerade mal nur maximal 18 Grad Temperatur" so die Mieterin, bei dem Vororttermin der beiden Dekane. In anderen Wohnungen breitet sich im Bad der Schimmel aus und die Frischluftzufuhr ist defekt. Woanders ist die Elektroinstallation in der Küche unzureichend, alle Küchengeräte werden mit einer einzigen Steckdose versorgt. Die Mieter behelfen sich indem sie mit Farbe den Schimmel bekämpfen oder sich mit Mehrfachsteckdosen neue Elektroverbindungen herstellen. Im siebten Stock haben Mieter Fenster mit einem Fahrradschloss gesichert damit sie beim öffnen nicht aus dem Rahmen fallen. Das Treppenhaus im Auggenerweg 6 ist genauso sanierungsbedürftig wie der Wohnblock insgesamt. Vermutlich ist die energetische Situation in allen 120 Wohnungen miserabel, denn auch das Heizungssystem ist Jahrzehnte alt. Die Wohnanlage gehörte zu den ersten großen Bauobjekten des damals auf der grünen Wiese geplanten neuen Stadtteils Weingarten.
Die Quartiersarbeiterin hatte zusammen mit der evangelischen und der katholischen Gemeinde in Weingarten die beiden leitenden Geistlichen zu dem "diakonisch-seelsorglichen" Besuch eingeladen. Denn schon seit längerem werde auch die Kirche im Stadtteil aufgefordert für die Mieter etwas zu unternehmen, berichtete Stefanie Bruckmeir. Die Gemeindereferentin der katholischen St. Andreas-Gemeinde erklärte, dass die "Menschen nicht gehört werden". Etliche Briefe und Mängelmeldungen an die Freiburger Kundenbetreuung der gagfah habe es bereits gegeben, doch nichts geschehe. Auch Freiburgs Oberbürgermeister und die Stadtrat-Fraktion "Die Grünen" hätten sich bereits vor längerem an das Unternehmen gewandt.
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| Auch bei den Medien stieß die Initiative der Dekan auf reges Interesse. Fotos: g hammer |
Die im Vorfeld zum Besichtigungstermin ausgesprochene Einladung habe das örtliche Büro der Wohnungsgesellschaft ausgeschlagen. Stattdessen werde mit Briefen reagiert, deren unverbindlichen Textbausteine auch in Schreiben von früheren Jahren verwendet wurden, so die Quartiersarbeiterin Gerlind Heckmann. Nach diesen gagfah-Antworten sei der Wohnungsbestand der Gesellschaft in Deutschland einer der "qualitativ besten". Man sei bemüht den Service für die Kunden zu verbessern, heißt es. Besonders ärgerlich für die Mieter ist indes, dass seit das börsennotierte Wohnungsunternehmen im Januar 2008 die Verwaltung übernommen hat es bereits zweimal Mieterhöhungen gab. Die gagfah hatte die Wohnungen 2006 von der Freiburger Stadtbau gekauft.
Die beiden Dekane wollen sich nun in einem gemeinsamen Brief an die Wohnungsgesellschaft wenden und ihre Eindrücke schildern. "Wir sind gerne bereit mit den Verantwortlichen auch hier vor Ort über Wohnungsmindeststandards ins Gespräch zu kommen", sagte Claudius Stoffel. Der evangelische Gemeindepfarrer Dirk Schmid-Hornisch plant auf dem Spielrasen vor den Blocks einen Gottesdienst zu feiern, in dem das Thema "Wohnen in Weingarten" aufgegriffen werden soll.
18. 3. 09 |
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