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Neuer Studierenden-Pfarrer wird eingeführt.
Erfahrungen aus Lateinamerika, aus dem Gefängnis und aus der Therapie
Freiburg (gh). Noch sind die Regale in seinem neuen Arbeitszimmer leer. Lediglich eine große Bibel und einige Bände auf deren Buchrücken "Gottesdienst" zu lesen ist, stehen auf den Ikea-Brettern. Die Bücher gehören zum Arbeitszeug von Michael Philippi. Der 49-jährige Theologe ist seit Mitte Mai neuer Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) in der Universitätsstadt. Am kommenden Sonntag, 21. Juni 2009, wird er in einem Gottesdienst in der Christuskirche (18 Uhr) von Dekan Markus Engelhardt in seine neues Amt eingeführt.

Noch ist das Regal leer und er telefoniert mit dem Handy. Doch bald wird der neue Pfarrer der ESG, Martin Philippi, die Inhalte seiner Arbeit präsentieren. Foto: G. Hammer
Auch sein Arbeitszimmer in dem schönen Jugendstil-Haus der ESG (Turnseestraße 16), mit den typischen hohen Räumen wirkt noch karg eingerichtet. Ein Wandteppich, ein Tapiceria, der einen Campesino (Bauern) mit Friedenstaube darstellt hängt links über der Schreibtischplatte. Philippi in schwarzen Jeans und schwarzen T-Shirt trägt ein buntes Tuch um den Hals. Dies und der Wandteppich sind Hinweise auf das, was den Seelsorger bewegt hat und womit er nach wie vor verbunden ist: die Theologie der Befreiung in Lateinamerika. Schon im Zivildienst war Philippi in Südamerika, studierte dann auch Theologie in Managua, Nicaragua, (aber auch in Münster / W. und Heidelberg) und hat für beispielsweise die Christliche Initiative Romero teils ehren- teils hauptamtlich gearbeitet. Insgesamt drei Jahre lebte er in verschiedenen Zeitabschnitten dort. "Da hab ich die Erfahrung einer anderen Art von Kirche gemacht, die mich dazu gebracht es mit dem Theologiestudium zu probieren", erklärt er, der Sohn eines in der Diakonie bekannten Pfarrers ist. Und: "Lateinamerika hat mich so katholisiert auch das anzunehmen was Volksfrömmigkeit angeht."

Kein Wunder, dass für ihn "Arme das Subjekt der Befreiung" sind. "Davon will ich nicht loslassen". Er habe sich gewundert dass der evangelische Theologe Bonhoeffer in Lateinamerika sehr präsent sei. Und so zieht für ihn die Frage der Gerechtigkeit besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise und inmitten der Auseinandersetzung in der Bildungspolitik eine direkte Verbindungslinie dieser Theologie mit der Realität in Deutschland, in der die Kirche Stellung beziehen müsse. Als ESG-Pfarrer sieht er sich auch zuständig für "Menschen die am Rande der Gesellschaft wie am Rande der Institution Kirche stehen".

Philippi, der auch eine Ausbildung als Gestalttherapeut absolviert hat war die vergangenen sechseinhalb Jahre Gefängnisseelsorge in Frankfurt am Main. Dort betreute er unter anderem Gefangene in Abschiebehaft. In Freiburg sieht er seine Aufgabe als Seelsorger für die Studierenden aber auch für die Mitarbeitenden auf allen Ebenen der Universität. Jetzt plant er sich in den Hochschulen der Dreisamstadt bekannt zu machen. Zugleich hat er seine Arbeit aufgenommen, beispielsweise mit dem Gesprächskreis "Bibel aktuell". "Ich hab mich gewundert mit wie viel Glaubensfragen ich in den ersten Wochen konfrontiert worden bin", sagt der neue Studierendenpfarrer. Er spüre eine Sehnsucht bei den Studierenden "wieder theologisch zu arbeiten". Dabei fühle er sich selbst auch theologisch gefordert - "das macht mir Spaß".

Der neue evangelische Hochschulpfarrer, der im Dezember von einer Wahlkommission gemeinsam mit dem Gemeinderat der ESG gewählt worden war, ist Nachfolger von Pfarrer Christian Rave, Der war zu Beginn vergangenen Jahres nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit in der Freiburger ESG zu "Brot für die Welt" nach Stuttgart gewechselt. Geboren und aufgewachsen ist Philippi in Heidelberg. Er spricht fließend englisch und spanisch und kann sich auch in Portugiesisch, Italienisch und Rumänisch verständigen. Schon als Schüler und später als Student hat er in ESGen mitgearbeitet, berichtet der Vater einer Tochter. Verheiratet ist Philippi mit einer Kollegin. Ehefrau Renate Kirchhoff ist Professorin an der Evangelischen Hochschule.

Die Regale in Philippis Arbeitszimmer werden sicherlich bald gefüllt sein. Denn jetzt beginnt die Planung der Inhalte für das kommende Wintersemester an. Gemeinsam mit den Studierenden wird dann viel Stoff zu bewältigen sein.



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Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg