.
Fachhochschule



Weiterbildungskurs mit praktischen Konsequenzen
Kooperation lernen in Kirche und Diakonie
von Günter Hammer
Freiburg/Mannheim (gh). Auch die Zusammenarbeit in der Leitung von Gemeinden und diakonischen Einrichtungen muss erlernt sein. Da in der badischen Landeskirche immer mehr "Gemeindestrukturen mit koperativen Leitungsformen und Dienstverhältnissen entstehen", weiß man bei der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, braucht es entsprechende Weiterbildungsangebote. Denn wenn Pfarrer, Diakone und Sozialarbeiter gemeinsam starten , um miteinander Ziele zu entwickeln und sich an die Projektarbeit machen, ist es hilfreich das nötige Handwerkszeug der Teamarbeit zu beherrschen.

In Freiburg ging jetzt (am Wochendende) der zweite Weiterbildungskurs des Instituts für Weiterbildung an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg e. V. (IfW) zu Ende in dem genau diese Zusammenarbeit erlernt und erprobt werden konnte. Der zweijährige Kurs "Leiten und Begleiten" hatte 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Pfarrerinnen und Pfarrer, Religionspädagoginnen, Gemeindediakone und Sozialarbeiterinnen. Unterstützt wurde die Weiterbildung vom badischen Oberkirchenrat und der badischen Diakonie.

"Die Erwartungen sind häufig sehr verquer" sagt Anne Ressel. Die junge Pfarrerin aus der Mannheimer Neckarstadt spricht von ihren Erfahrungen, einerseits von Gemeindearbeit und andrerseits von diakonischer Initiatve. In dem Brennpunktstadtteil mit 20.000 Einwohnern (47 Prozent ausländische Mitbürger) war das kirchengemeindliche Leben in der Pfarrei, in die sie berufen worden war, fast völlig zusammen gebrochen. Der Ältestenkreis arbeitete nicht, es gab kein Gemeindeleben geschweige denn diakonische Aktivitäten, berichtet sie. Lediglich der Frauenkreis hielt treu zur Gemeinde, hatte jedoch ein recht hohes Durchschnittsalter. Die Frage war, wie diese Gemeindesituation mit neuem Leben und neuen Strukturen gefüllt werden konnte.

Gemeinsam mit zwei Sozialarbeiterinnen der Mannheimer Diakonie wurde vor zwei Jahren ein Konzept entwickelt, wozu die Weiterbildung des IfW "Leiten und Begleiten – Management von Netzwerken in Gemeinde, Kirchenbezirk und Diakonie" die ideale Unterstützung gab. "Wir hätten nicht diesen scharfen Blick auf die verschiedenen Strukturen erlernt", meint Sozialarbeiterin Claudia Hauschild nach den sieben einwöchigen Kurseinheiten. Dort standen Themen auf dem Programm wie : "Grundlage der Analyse und Steuerung von Organisationen", "Kommunikation und Geschäftsführung" oder "Problemlösung, Controlling, Qualitätssicherung".

Herausgekommen für die Gemeindearbeit in Mannheim ist eine Mischung aus Bewahrung des zwar kaum noch Vorhandenen und eine Menge innovativer Ansätze. So hat der Ältestenkreis einen großen Teil seiner Kompetenzen auf eine Planungsgruppe übertragen. In diesem Kreis, in dem auch Männer und Frauen mitwirken die nicht zur evangelischen Kirche gehören, werden alle Aktivitäten der Gemeinde geplant und koordiniert. Gleich ob Orgelkonzert, Gemeindefeste, sozialpolitische Veranstaltungen, Jubiläen oder diakonische Einsätze. Ein Konzept, das Erfolg hat, wie die Pfarrerin erläutert.

So konnte auch die Schwangerschaftsberatung mit den Leiterinnen von Spiel- und Krabbelgruppen in Verbindung gebracht werden. Und für die Hauptschüler aus der Nachbarschule des Gemeindehauses wird seit einem Jahr ein Nachmittags-Cafe angeboten, von dem aus weitere Aktivitäten (Disco, Ausflüge) ausgehen. Bis zu 50 Schülerinnen und Schüler nehmen dieses Angebot wahr berichtet die Sozialarbeiterin. In Mannheim-Neckarstadt habe man gelernt wie Diakonie und Gemeinde enger miteinander zusammenarbeiten können, ist Pfarrerin Ressel überzeugt. Der IfW-Kurs sei dabei sehr hilfreich gewesen, betonen die Pfarrerin und die Sozialarbeiterin, besonders die ständige Begleitung durch Supervision und durch regionale Lerngruppen hätten die nötige Distanz vermittelt und Energien zum Durchhalten freigesetzt.

Mit dem Weiterbildungsangebot "Leiten und Begleiten" sei es gelungen den "Wunsch der Diakonie nach mehr Verortung" zu realisieren und die Gemeindeglieder für neues diakonisches Denken zu öffnen. Gleichzeitig sei durch die diakonischen Aktivitäten neues Leben in die Gemeinde gebracht worden, meint Professorin Helga Gramlich, eine der Leiterinnen es IfW-Weiterbildungskurses. Dies sei typisch für alle Praxibeispiele an denen in den vergangen beiden Jahren gearbeitet wurde. Diese Projekte die am Ende des Kurses einem interessierten Fachpublikum präsentiert wurden, hätten "die Praxis verändert", stellt Andreas Günther, einer der Referenten des Kurses fest. Denn "vor Ort haben die unterschiedlichsten Träger kooperiert", ergänzt Juliane Weerenbeck, die ebenfalls als Ausbilderin tätig war. Und schließlich hätten die Pfarrer, Diakone und Sozialarbeiter auch persönlich dazugelernt. "Denn die eigene Rolle konnte reflektiert und neue Handlungsmöglichkeiten ausprobiert werden", so Günther.






Evangelische Fachhochschule Freiburg
Deutscher Wissenschaftsrat bescheinigt Qualität
Freiburg – Die Leistungen in Lehre und Forschung an der Evangelischen Fachhochschule (EFH) in Freiburg-Weingarten wurden jetzt vom höchsten Gremium der deutschen Wissenschaft, dem Wissenschaftsrat, mit einem Gütesiegel versehen. Mit dieser Akkreditierung (Beglaubigung) durch den Wissenschaftsrat des Bundes und der Länder, die vom Land Baden-Württemberg beantragt worden war, erhält die kirchliche Fachhochschule die volle Anerkennung als wissenschaftliche Hochschule. Diese vom Wissenschaftsrat vorgenommene Überprüfung der Qualitätsstandarts der Fachhochschule ist nun über den maximalen Zeitrahmen, zehn Jahre lang, gültig. Die Fachhochschule, deren Träger die Badische Landeskirche ist, ist damit die erste kirchliche Fachhochschule in Deutschland, der diese hohe Qualität offiziell bescheinigt wird. Erste Auswirkung des positiven Bescheids für die EFH ist die teilweise Zurücknahme der bereits beschlossenen Kürzungen des Landes Baden-Württemberg für nichtstaatliche Fachhochschulen.

Der Rektor der Evangelischen Fachhochschule, Professor Christoph Schneider-Harpprecht, meinte die Akkreditierung sei ein "wichtiger Bestandteil" für die Zukunftsplanung der Hochschule.

Die Fachhochschule ist aus dem einstigen "Seminar für Wohlfahrtspflege" hervorgegangen und war 1971 als Fachhochschule gegründet worden.

In einer 56-seitigen Stellungnahme würdigt der Wissenschaftsrat die EFH als "fachlich profilierte Hochschule" in den Studienrichtungen Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Religionspädagogik/Gemeindediakonie. Auch die Einrichtung eines neuen Fachbereiches (Sozialmanagement) hebt der Wissenschaftsrat positiv hervor. Weiterhin wird betont, dass die angebotenen Studiengänge attraktiv seien und die Erweiterung der Studiengänge sorgfältig geplant werde.

Beeindruckt zeigt sich der Wissenschaftsrat von den kontinuierlichen Leistungen in der Forschung duch die und den "beachtlichen Drittmitteleinwerbungen". Gelobt werden in der Stellungnahme auch der "umfassende und anspruchsvolle Hochschulentwicklungs und Leitbildprozess" sowie die Maßnahmen der Qualitätssicherung. Auch der "hohe Einsatz der Professoren" wird positiv vermerkt.

Auch die Evangelische Landeskirche in Baden erhält Lob. Besonders würdigt der Wissenschaftsrat "das ausdrückliche Bekenntnis der Landeskirche zu ihrem Bildungsauftrag, den sie in vorbildlicher Weise mit der Evangelischen Fachhochschule wahrnimmt". Dies zeige sich in der Mitgliedschaft von Mitgliedern der Synode im Kuratorium der Hochschule und in der guten Kooperation von Landeskirche und Hochschulleitung. Unterstützt werde die Hochschule auch bei der Einrichtung eines Bachelor-Studienganges für "Pädagogik der frühen Kindheit" und eines Masterstudiengangs "Supervision". Bei dem letztgenannten Studiengang soll eine weitere Professur eingerichtet werden, fordert der Wissenschaftsrat.

Hervorzuheben sei auch die Entwicklung eines neuen Studienmodells, das so genannte "8 plus 2-Modell", das den Studierenden der in den Fachbereichen Religionspädagogik und Sozialarbeit/Sozialpädagogik den Erwerb eines Doppel-Diploms ermögliche. Ausführlich wird auch die Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung, das Forschungsinstitut der EFH gewürdigt, ebenso wie das Institut für Weiterbildung.

Einzige Auflagen der Akkreditierung ist die bessere Ausstattung der Bibliothek mit elektronischen Medien und eine weitere Professur im geplanten Studiengang Supervision.

An der Evangelischen Fachhochschule sind zur Zeit rund 600 Studierende eingeschrieben. Zu Beginn des laufenden Wintersemester lagen der EFH über 1500 Bewerbungen von. Nur 141 Studentinnen und Studenten konnte jedoch zugelassen werden.

gh 4. 2. 04





Kooperation EFH mit Hochschule in la Paz, Bolivien

Studierende und Dozenten fliegen über den Teich

Eine gar nicht alltägliche Hochschulpartnerschaft beginnt in diesen Tagen: die Partnerschaft der Evangelischen Fachhochschule Freiburg (EFH) mit der Universidad Mayor de San Andreas de la Paz Bolivien. Der Deutsche Akademisch Auslangsdienst (DAAD) hat die Kooperation dieser beiden Hochschulen, die bereits vor zwei Jahren eingeleitet wurde, in das Förderprogramm "Fachbezogene Partnerschaften mit Hochschulen in Entwicklungsländern" aufgenommen, heißt es ein einer Pressemitteilung der Fachhochschule.

Die Kooperation dieser beiden Hochschulen, konzentriere sich auf die Studiengänge der Sozialen Arbeit, sieht den Austausch von Dozierenden und Studierenden vor und eine enge Zusammenarbeit in den Qualifizierungsbemühungen in Lehre und Forschung. Darüber hinaus wollen sich beide Hochschulen dem Thema Globalisierung und Zivilgesellschaft stellen und mit den jeweils unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven gemeinsam an den Auswirkungen der Globalisierung und den Bedingungen für das Konzept der Zivilgesellschaft im jeweiligen Land diskutieren, heißt es weiter.

Am Montag, den 03.03.2003 fliegen die ersten Studierenden nach La Paz; es handelt sich um Stefan Ungeheuer, Karola Kreutner, Maren Naecker und Karin Neck. Am Ende der Woche folgt der Leiter des Projektes, Thomas Klie. Er wird begleitet von seinem Kollegen von der Universität, Baldo Blinkert, der zum offiziellen Beginn der Hochschulpartnerschaft und zum ersten Symposium nach La Paz fliegt. Gemeinsam mit dem anderen Hochschulpartnerschaft beteiligten Institut für Soziologie der Universität Freiburg, wird derzeit schon intensiv an einer Internetplattform gearbeitet, die den Austausch von Studierenden und Dozierenden ermöglichen soll, über die weite Distanz hinweg.

Wie weit diese technische Basis für eine lebendige Kooperation und Kommunikation geschaffen werden kann, darum geht es auch bei dem ersten Besuch der deutschen Delegation in La Paz. Drei Studierende bleiben ein Semester in La Paz. Sie werden dort mit den Bolivianern zusammen studieren, Praxisprojekte kennen lernen, an ihnen hospitieren und gemeinsam mit den Studierenden dort, inhaltliche, aber auch curriculare Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten und Anregungen und Impulse für eine Verbesserung von Lehre und Forschung an beiden Hochschulen wieder mitbringen. Im Wintersemester 2003/04 steht dann der Besuch der bolivianischen Universität in Freiburg an: "keine Einbahnstraße im Sinne der Reiserichtung soll das Projekt werden", so die Fachhochschule., Es setze auf beidseitigen Austausch und Besuche in beiden Ländern.

Auf vier Jahre sei das Projekt angelegt, das zurückgeht auf einen Studienaufenthalt einer ehemaligen Studierenden der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, die ihre Diplomarbeit in Bolivien, in Kooperation mit der Universität, dort schrieb. Annegret Truebenbach-Klie ist heute Projekt-Koordinatorin des Projektes.

Das Projekt passe auch ansonsten gut in die neu gesetzten Schwerpunkte inhaltlicher Art an der Evangelischen Fachhochschule. Das Thema Entwicklungszusammenarbeit und Soziale Arbeit stehe seit einigen Jahren auf dem Programm. Der Rektor der Evangelischen Fachhochschule, Prof. Christoph Schneider-Harpprecht, war acht Jahre lang in Brasilien an einer Universität und es bestehe die Hoffnung, die Kooperation auf die dortige Universität, Universidade do Vale do Rio dos Sinos, ausdehnen zu können, schreibt die EFH.

efh

Die erste Gruppe die nach Bolivien fliegt mit FH-Professor Thomas Klie (3. v. r.)

EFH im Internet:

http://www.efh-freiburg.de

zurück

Feeback an Günter Hammer



profile-design 2003 gh webmaster

Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Freiburg