Freiburg (gh). Menschen die an einer Demenz erkrankt sind brauchen besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung. Dies gilt vor allem wenn diese Menschen, durch ihre massiven Einschränkungen im Gedächtnis, im Denken und in der Persönlichkeitsstruktur von weiteren körperlichen Erkrankungen betroffen sind. Müssen demenziell Erkrankte wegen schwereren Erkrankungen oder Verletzungen im Akutkrankenhaus behandelt werden sind Ärzte und Pflegende mehr gefordert als üblich.
Im Evangelischen Diakoniekrankenhaus wird die besondere Problematik von Demenzerkrankten jetzt aktiv aufgegriffen. Erster Schritt ist die Einrichtung eines wöchentlichen Betreuungsangebots. Schülerinnen und Schüler der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege werden in einem umgestalteten ehemaligen Fernsehraum verwirrte Patienten, die mobil sind, ein strukturiertes Betreuungsangebot machen. Dazu wurde das Zimmer zu einem "millieutherapeutisch gestalteten Caféraum" umgewandelt. Die neuen Möbel sind ganz im Stil von "Omas guter Stube" gehalten und vermitteln eine gemütliche Atmosphäre. Der Name dieses für Akutkrankenhäuser in Baden-Württemberg völlig neuen Projekts heißt denn auch "Café Vergissmeinnicht".
Bei den Betreuungsnachmittagen werden von den Pflegeschülerinnen und -schülern so genannte "Erinnerungskisten" eingesetzt. Hier werden Themen wie "Hausarbeit", "Kreativität", "Sensibilitätsförderung" und Erinnerungsarbeit aufgegriffen. "Es geht um sinnvolle Beschäftigung und spielerische Gestaltung" sagt Alexander Fuhr. Der Gerontologe und Leiter der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Diakoniekrankenhaus hat das Projekt gemeinsam mit den Schülern entwickelt. Beispielsweise können mit großformatigen Fotos bei den Verwirrten die Verbindung in die Vergangenheit aktiviert werden, Erzähl- und Märchenstunden wird es geben und mit überdimensionalen Spielsteine werden "Mensch ärger dich nicht" und andere Spiele angeboten.
Günstig gestaltet sich dabei die Nachbarschaft zum geronto-psychiatrischen "Pflegeheim Haus Landwasser" das zum Verbund des Diakoniekrankenhauses gehört. Hier haben die Auszubildenden in Praktika die Pflege und den Umgang mit schwerst dementen Bewohnern kennen gelernt. In der Beschäftigungstherapie und in den Wohnbereichen konnten die 20- bis 30-jährigen Auszubildenden erfahren, welche mitunter sehr eingeschränkten Möglichkeiten die meist älteren Demenzerkrankten haben. Deutlich wurde, dass es besonderer Geduld braucht, eine hohe sensible Aufmerksamkeit und konsequente Teamarbeit in der Pflege. Dieses spezielle Verhalten in der Pflege von Demenzpatienten wollen die Auszubildenden auch auf den normalen Stationen der Klinik bekannt machen und ihre Erfahrungen weiter geben. Denn für Demenzkranke ist die ungewohnte und unbekannte Umgebung eines Krankenhauses, die veränderten Tagesabläufe, eingeschränkte Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, das Fehlen von vertrauten Personen häufig sehr ängstigend.
Geplant ist im Diakoniekrankenhaus auch, dass im zweiten Schritt des Projekts es zu einem Austausch der Pflegekräfte der chirurgischen und internistischen Kliniken mit den Pflegenden des geronto-psychiatrischen Pflegeheims kommt. Diese Jobrotation von Krankenschwestern und -pflegern mit Altenpflegerinnen und -pflegern wurde auch von den Schülern der Pflegeschule angestoßen. Zur Vorbereitung und Begleitung des Fachkräfteaustauschs erarbeiten die etwa 16 Pflegeschüler gerade Mappen, mit denen sie ihren künftigen Kollegen auf die Pflegesituation bei Demenzkranken informieren.
Das "Café Vergissmeinnicht" für die Betreuung Demenzkranker im Diakoniekrankenhaus, Wirthstraße 11, Freiburg-Landwasser, wird am Mittwoch, 7. Oktober 2009, um 11 Uhr, im 3. OG des Krankenhauses eröffnet.
Eine kleine Ausstellung, erarbeitet von den Pflegeschüler, wird über Demenz informierten und das Projekt Demenz-Café vorstellen.
29. 9. 09
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