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Psychologische Beratungsstelle legt Jahresbericht 2003 vor.
Erfolge schwer vermittelbar. Beratungsarbeit gefährdet?
FREIBURG (gh). Ein bedeutender Teil der Krankheitstage, die in Betrieben und Behörden zu Buche schlagen habe eine wesentliche Ursache in Paar- und Beziehungskonflikten. Dies schätzt Markus Becker, Diplompsychologe und Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Evangelischen Kirchengemeinde Freiburg. Partnerschaftstrennungen hätten nicht nur "hohe emotionale und familiäre" Auswirkungen bei den Betroffenen sondern "generell sind die finanziellen und gesamtwirtschaftlichen Folgekosten enorm", so Becker, der jetzt den Jahresbericht der Beratungsstelle für 2003 vorlegte.

Angesichts dieser Erfahrungen könne er nicht verstehen weshalb das Land Baden-Württemberg durch Kürzungen der Zuschüsse aus der Förderung der Ehe-, Lebens- und Familienberatungsstellen ausgestiegen sei. Zwar würden künftig die Kommunen diese Unterstützung übernehmen, doch sei "die Kompensation mit der Stadt Freiburg noch nicht geregelt". Der fehlende Betrag für die Freiburger Stelle an der Dreisamstraße, von rund 16.000 Euro ab 2005, könne auch nicht durch Einsparungen bei den Honoraren oder Betriebskosten erzielt werden, erläuterte der Leiter. Insgesamt seien im letzten Jahr 2500 Beratungsstunden für Menschen aus Freiburg, dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und dem Landkreis Emmendingen von den BeraterInnen (in den Grundberufen Psychotherapeuten, Pädagogen, Sozialarbeitern und Theologen) durchgeführt worden. Die Beratungsarbeit hätte vor allem einen unschätzbaren präventiven Nutzen, so Becker, doch seien die Erfolge der Beraterinnen und Berater in Kirche und Gesellschaft häufig schwer zu vermitteln.

An den Kosten soll Beratung nicht scheitern

Rund 90 Euro hätten die fast 500 Besucher der Psychologischen Beratungsstelle im Jahr 2003 realistischerweise pro Stunde bezahlen müssen, damit es sich wirtschaftlich für den Träger gerechnet hätte. Doch in der kirchlichen Einrichtung galt schon immer die Maxime "Beratung darf an den Kosten nicht scheitern". So werden die Männer, Frauen und Familien, die einzeln als Paar oder mit den Kindern kommen aufgefordert einen Eigenbeitrag nach Selbsteinschätzung zu geben. Dabei macht Becker die Beobachtung, dass "interessanter weise die ganz Armen am wenigsten Theater um diese Selbstbeteiligung machen".

Laut interner Statistik gehören bei Frauen und Männern "Störungen im Gefühlsbereich bzw. in Sexualität und Partnerschaft" zu den häufigsten Gründen warum die Beratungsstelle aufgesucht wird. Bei Paaren und Familien waren neben den Beziehungsklärungen vor allem "Scheidung und Trennung" die am häufigsten vorkommenden Beratungsthemen. "Wir haben hier als Kirche eine besondere Verantwortung", meint Becker. Denn, "wir trauen die Leute und lassen sie dann in der Trennung alleine", sagt der Psychologe und Theologe. Die Beratungsstelle bietet deshalb neben der psychologischen Beratung für Einzelne, Paare und Familien auch Mediation an, die hilft im Trennungskonflikt und bei einer schon beschlossenen Scheidung zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen.

Becker, bedauerte dass es bisher noch kein kirchliches "Trennungsritual" gäbe. Trotz mancher Kritik an seiner Kirche ("bei allen Strukturdebatten dürfen wir nicht vergessen für wen wir da sind, nämlich für die Menschen in seelischer Not") erfahre die Beratungsstelle "höchste Zustimmung" als kirchliche Institution. Und obwohl die Beratungen unabhängig von Alter und Religionszugehörigkeit jedem zugänglich sind, "suchen manche Menschen uns auf, gerade weil wir eine kirchliche Einrichtung sind", heißt es im Jahresbericht. Die Kirche genieße bei vielen Menschen ein Vertrauensvorschuss und sie erwarteten hier "besondere Offenheit für Sinn- und existentielle Lebensfragen". Die Arbeit der Beratungsstelle sei Teil kirchlicher Seelsorge und daher "eine unaufgebbare Aufgabe".

Die Beratungsstelle ist erreichbar unter Tel: 0761 3890890 oder in Internet unter www.beratungsstelle-freiburg.de


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