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Hintergrund



Moses-Projekt einmalig in Baden-Württemberg
Hilfe für Schwangere in Not

Freiburg / Südbaden - Schwangere Frauen, die vor der Entbindung in Konfliktlagen oder in Not geraten haben jetzt die Möglichkeit sich beraten zu lassen und ohne Namensnennung ihr Kind zu gebären. In Freiburg wurde gestern (21. Oktober) das Projekt Moses offiziell vorgestellt, das eine anonyme Geburt ermöglicht. Gemeinsam wollen das Evangelische Diakoniekrankenhaus (Freiburg-Landwasser), das katholische St. Josefskrankenhaus, die Diakonischen Werke Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und der "Helferkreis werdende Mütter in Bedrängnis e. V." in Not geratenen Frauen und ihren Kindern helfen. Die Möglichkeit einer anonymen Geburt gab es in Baden-Württemberg bisher nicht. Jährlich werden in Deutschland etwa 40 bis 50 Kinder ausgesetzt oder kurz nach der Geburt getötet. Die Dunkelziffer sei schwer einzuschätzen, meinte eine Sprecherin der Initiatoren.

"Wir bieten für die Geburt einen geschützten Raum", sagte Pfarrer Urs Keller, Vorstandsvorsitzender des Diakoniekrankenhauses vor Journalisten in Freiburg. Durch das Angebot einer fachlichen Beratung wolle man im Umfeld der Geburt jedoch dazu beitragen, dass die Mutter aus der Anonymität heraustritt. Will eine Frau aber entbinden ohne ihren richtigen Namen zu nennen, werde die "Autonomie der Frau geachtet", so Keller. Freilich bewege man sich dabei in einer rechtlichen "Grauzone", denn bisher gibt es für solche Fälle keine klare gesetzliche Regelung.

Kontakt kann die schwangere Frau über die kostenlose telefonische Beratung herstellen. Die Nummer 0800 – 0066 737 ist ab 1. November frei geschaltet und dann rund um die Uhr besetzt. Tagsüber kommen die Gespräche bei den Fachberaterinnen der Diakonischen Werke an. Nachts, am Wochenende und an Feiertagen wechseln sich rund 20 ehrenamtliche Beraterinnen im Telefondienst ab. Die haben sich in intensiven Schulungen auf die besondere Lange der Schwangeren vorbereitet, berichtet Mechthild Herder, vom Helferkreis für werdende Mütter.

Nach einer Geburt hat eine Mutter die Möglichkeit sich innerhalb von acht Wochen zu ihrem Kind zu bekennen, es zu sich zu holen, oder einer offenen Adoption zuzustimmen, erklärte Bärbel Wagner von der Diakonie. Kann eine Mutter ihre Anonymität jedoch nicht aufgeben, übergibt das zuständige Jugendamt das Kind einer Bereitschaftspflegefamilie. So lange die Mutter es wünscht, bleibt jedoch das Beratungsangebot bestehen.

Das Hilfsangebot des Moses Projekts ist für die Frauen kostenlos. Für das Kind regelt das Kinder- und Jugendhilfegesetz die Finanzierung. Die Kosten einer anonymen Entbindung tragen die beiden Kliniken.

Der Name Moses-Projekt erinnert an das Findelkind in der Bibel. Seine Mutter legte es in ein Binsenkörbchen und sorgte dafür, dass Moses gefunden und gerettet wurde.

gh 22.10. 03

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