Freiburg. Ein hochbrisantes Thema greifen Caritas international und das "eine welt forum freiburg" in der gemeinsamen Fachtagung "Energie ohne Übersee-Biomasse" und auch die Bonhoeffer-Gruppe der evangelischen Auferstehungsgemeinde am 18. und 19. März in Freiburg auf. Ist doch die anfängliche Hoffnung, man könne mit Treibstoff aus Biomasse einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten, der Befürchtung gewichen, dass die Schäden durch den Anbau der agrarischen Rohstoffe größer sind als ihr ökologischer Nutzen.
Die Europäische Union hat mit ihrer EG-Richtlinie über Erneuerbare Energien beschlossen, bis zum Jahr 2020 den Anteil von so genannten Biotreibstoffen am gesamten Treibstoffbedarf auf zehn Prozent zu erhöhen. Die großen Mengen der dazu benötigten Rohstoffe können jedoch in Europa mangels Fläche nicht produziert werden. Der größte Teil des Bioethanols stammt schon jetzt aus brasilianischem Zuckerrohranbau oder von Palmöl aus indonesischer Plantagenwirtschaft.
Die ökologischen Kosten dafür sind immens. In Indonesien werden für den Palmölanbau bedrohte Naturwälder gerodet, auch für den Zuckerrohranbau in Südamerika werden gigantische Flächen benötigt. Die Folgen sind nicht nur ökologischer Raubbau und Artensterben, es drohen auch weitere Engpässe in der Lebensmittelversorgung. Je mehr Flächen für die Produktion von Biokraftstoffen benötigt werden, desto mehr Anbauflächen für Grundnahrungsmittel stehen zur Verfügung.
Bischof José Luis Astigarraga aus Peru wird am 18. März bei der einleitenden Podiumsdiskussion über die Folgen des Biomasseanbaus für die Amazonasregion berichten, Douglas Estevam von der brasilianischen Landlosenbewegung MST zeigt die Auswirkungen des Flächendrucks auf die Landbevölkerung auf, Marianne Klute von der Organisation Watch Indonesia geht auf die Gefahren des Palmölanbaus in Indonesien ein. Peter Mayer vom Innovationsfonds des Energieversorgers Badenova stellt dar, dass der Einsatz von Biomasse zur Energiegewinnung auf lokaler und regionaler Ebene durchaus sinnvoll sein kann, wenn Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden.
Am Freitag, den 19. März wird es um die Frage der Zertifizierung von Biokraftstoffen gehen. Wird eine Überprüfung und Kennzeichnung gewährleisten können, dass Nachhaltigkeit drin steckt, wo Bio-Kraftstoff drauf steht? Christian Lauck von der Uni Klagenfurt und Nikolaus Geiler, der in DIN-Ausschüssen für Nachhaltige Biomasse arbeitet, werden Auskunft geben. Anschließend werden Tina Goethe von Swiss-Aid und Jörg Lang von Regiowasser e.V. über die Möglichkeit eines Moratoriums für den Import von Agrotreibstoffen diskutieren. Hier möchte die Tagung Impulse setzen und mit einem breiten Bündnis Handlungsvorschläge erarbeiten.
Die Tagung findet statt in den Räumen des Deutschen Caritasverbandes, Lorenz-Werthmann-Haus, Karlstraße 40. Podiumsdiskussion am 18. März, 19 Uhr. Tagungsbeginn am 19.3. um 9 Uhr.
Pressemitteilung von Caritas International
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