Freiburg (gh). "Missionarische Kirche zu sein, heißt menschenfreundliche Kirche zu sein." Dies folgerte Oberkirchenrätin Karen Hinrichs (Karlsruhe) aus den Ergebnissen der Kircheneintrittsstudie der badischen Landeskirche, die sie der Freiburger Gruppe des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) in dieser Woche vorstellte. Durch der Studie, deren Ergebnisse seit vergangenem Jahr vorliegen, sei deutlich geworden, dass in den vergangenen zehn Jahren fast 25 000 Menschen in des Evangelische Landeskirche Baden eingetreten seien.
Abgefragt wurden die Gründe, die dazu führten wieder der Kirche beizutreten, nachdem man sich einst von ihr getrennt hatte. Auch die Gründe, die dazu führten von einer anderen Konfession zu wechseln wurden untersucht. So sind von den Wiedereingetretenen die meisten verheiratet (71 %), das durchschnittlich Eintrittsalter liegt bei 52 Jahren. Deutlich sei, so die Oberkirchenrätin, dass die Entscheidung zum (Wieder)Eintritt ein "innerer emotionaler Prozess sei, der wohl äußere Anlässe kenne", aber doch in erster Linie mit der eigenen biographischen Verarbeitung zu tun habe. So wollten drei Viertel, die die Kirche teilweise vor zehn bis 15 Jahren verlassen hatten, einfach "wieder zur Kirchen gehören". Von diesen hatte dann mehr als die Hälfte, nachdem ihr Entschluss zum Eintritt in die Tat umgesetzt war, das Gefühl "heimgekehrt zu sein". Viele der Befragten fanden auch das "Leben in der evangelischen Kirchengemeinde überzeugend" (41%) oder wollten schlicht auf eine kirchliche Bestattung nicht verzichten (43%). Weiter gaben etwa jeder vierte der Wiedereingetretenen an, dass man durch eine kirchliche Amtshandlung (24 %) oder durch die "Begegnung mit einem Pfarrer oder einer Pfarrerin überzeugt" (28%) wurden.
Bei den Wiedereingetretenen scheine das Motiv der Lebensbilanz im Vordergrund zu stehen", so die Oberkirchenrätin, die für Grundsatzfragen und Öffentlichkeitsarbeit ihrer Landeskirche zuständig ist. "Es ist der Wunsch die Biographie in Ordnung zu bringen und heimzukehren", meinte Karen Hinrichs.
Ähnlich sieht die Bilanz bei denjenigen aus, die in die evangelische Kirche übergetreten sind. Bei dieser Gruppe finden 75 Prozent, das Leben in evangelischen Kirchengemeinde überzeugend, oder wollten wieder zur Kirche dazugehören (74%).
Ein große Rolle spielt bei den Übergetretenen der Partner oder die Partnerin, der/die bereits evangelisch ist. Für jeden zweiten Übergetretenen war dies Motivation sich der Evangelischen Landeskirche in Baden anzuschließen. Die Begegnung mit Geistlichen spielt in dieser Gruppe eine größere Rolle. Für rund 45 Prozent war die Begegnung mit evangelischem Pfarrer oder evangelischer Pfarrerin ein ausschlaggebender Grund die Konfession zu wechseln. Schließlich spielten auch hier die Erfahrung von "gelungenen" kirchlichen Amtshandlungen (Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Bestattung) ein wichtige Rolle.
In der anschließenden Diskussion wies der Freiburger Dekan Traugott Schächtele (Theologischer Berater der AEU Freiburg) darauf hin, dass das "persönliche Kirchenbild" eine wichtige Grundlage für die Entscheidung zum Aus- oder Eintritt bilde. Besonders die Differenz zwischen "erlebter und ersehnter Kirche" führe zu unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüchen. Was die Stärke der Evangelischen Kirche sei, ihre Vielfalt, werde auch zugleich als ihre Schwäche erlebt: vielerlei Meinungen und unterschiedliche Kirchenbilder.
Auf die Bedeutung einer guten Gestaltung von Kasualien wies Dr. Klaus Eschenburg, von Freiburger AEU-Arbeitsgruppe hin. Der Direktor einer der größten lokalen Einrichtungen für das Wohnen im Alter berichtete, wie eine bewusst gestaltete Abschiedskulter in den Häusern die er leitet, bereits Menschen bewegt habe sich als Erwachsene taufen zu lassen.
Die Konsequenzen aus der Kircheneintrittsstudie seien nicht einfach zu ziehen, meinte Oberkirchenrätin Hinrichs abschließend. Denn die Studie hätte letztlich nur wissenschaftlich bestätigt, was an bisherigen Erkenntnissen vorhanden gewesen war. Die Leiterin der landeskirchlichen Abteilung für Grundsatzfragen zeigte sich überzeugt, dass es keine einheitlichen Rezepte gäbe. "Verschiedene Menschen brauchen verschieden Ansprachen", erklärte sie. Kirche in der Großstädten müsste anders agieren als Kirche auf dem Land. Denn es gäbe verschiedene Formen der Gemeinschaftsbildung, "und das ist auch gut so", sagte die Oberkirchenrätin.
Die regionale Arbeitsgruppe des AEU in Freiburg und Südbaden lädt regelmäßig Unternehmer und leitende Mitarbeiter von öffentlichen und diakonischen Einrichtungen zu gemeinsamen Treffen ein. Dabei gehe es in erster Linie nicht um tagespolitische Aktualität, sondern um Grundsatzfragen im Bereich der Wirtschaftsethik und Gesellschaft sowie um das Verhältnis von freiem Unternehmertum und evangelischer Kirche, sagte AEU-Vorstandmitglied Dr. Klaus Eschenburg. Bei der nächsten Veranstaltung wird Dr. Peter Barrenstein über die Auswertung der Online-Befragung "Perspektive Deutschland" berichten. Termin ist der 14. September. Die Gruppe trifft sich im reizvollen Jugendstil-Ambiente des Gästehauses St. Urban in Freiburg-Herdern, das zum Evangelischen Stift gehört.
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