FREIBURG (gh). "Leben das vom Glauben getragen ist, ist ein Leben das weitergeht", dies sagte Dekan Traugott Schächtele am Sonntag in seiner Predigt anlässlich seines Abschieds aus dem Dekansamt im Evangelischen Kirchenbezirk Freiburg. Und er fragte die Menschen in der vollen Ludwigskirche was das für ein Gott sei der "versöhnlerisch" und guten Willens die Welt von allen Übeln kurieren wolle, der wolle, dass der Glaube der Menschen nicht aufhöre. "Gott bewahre den Glauben" der Menschen, sagte Theologe. Wer dies erkenne erweise sich als "Künstlerin und als Künstler des Glaubens". Schächtele machte dabei deutlich, dass die Christen Verantwortung in der Welt zu übernehmen haben und ihre Aufgabe sei sich zur Wahrhaftigkeit zu bekennen. Er machte am Beispiel des Petrus (Lukasevangelium) Mut dieses Bekennen zur formulieren auch angesichts "unserer kleinen Lebensgeschichten die verstrickt sind in die große Geschichte von Glück und Unglück, von Gelingen und Versagen, von Schuld und Vergebung, von Leben und Tod".
Der Gottesdienst war neben Gemeindegesängen eingebettet von Orgelstücken von Johann Sebastian Bach, die Landeskantor Carsten Klomp interpretierte. Er leitete auch das Herdermer Vokaloktett, das im Gottesdienst zu hören war.
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| Dekan Traugott Schächtele (li.), Dekanstellvertreterin Pfarrerin Bärbel Schäfer und Landesbischof Ulrich Fischer (re.) vor dem Gottesdienst zur Verabschiedung des Dekans in der Freiburger Ludwigskirche. Foto: g. hammer |
Schächtele sei ein Dekan gewesen der gerne das Gespräch gesucht habe, "nicht nur mit Kolleginnen und Kollegen und mit ehrenamtlich Mitarbeitenden des Bezirks, auch immer wieder mit der Kirchenleitung", erklärte Landesbischof Ulrich Fischer bei der Verabschiedung. Es sei zu spüren gewesen, dass Schächtele "seinen Gegenüber immer mit einem Vorschuss an Vertrauen begegnet" sei, so der Bischof. Schächtele habe nicht Herr über die Gemeinde sein wollen, sondern Vorbild im Ringen um Wertschätzung für andere.
Der Landesbischof erinnerte an die Neustrukturierung des Kirchenbezirks und der Kirchengemeinde Freiburg, die sich wie ein "roter Faden" durch die neunjährige Amtszeit des Dekans gezogen haben. Schächtele habe dabei die Grenzen der Gestaltbarkeit in dem ehemaligen größten Kirchenbezirk der Landeskirche als belastend erleben müssen. Das Ergebnis der Strukturdebatte helfe nun die "Zukunftsfähigkeit kirchlicher Arbeit in Freiburg zu sichern". Der Bischof würdigte dabei, dass sich Schächtele in öffentlichen Debatten "engagiert und qualifiziert zu Wort gemeldet" habe. "Sie haben der evangelischen Kirche in dieser Stadt ein Gesicht gegeben", sagte Fischer.
Auch Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon würdigte den Dekan, in dessen Amtszeit der erste Freiburger Ökumenische Kirchentag gefallen war in einem Grußwort. Salomon erklärte es sei eine kluge Entscheidung gewesen, den neuen Stadtkirchenbezirk zu entwickeln, der nunmehr fast denselben Zuschnitt habe wie der Stadtkreis Freiburg. Dies würde die Zusammenarbeit vor allem in sozialen Aufgaben erleichtern und einfacher machen. Auch die engagierte Vermittlungsarbeit des Dekans bei Konflikten mit den "Wagenburgen" und bei verschiedenen Asylverfahren hob der Oberbürgermeister hervor. "Sie haben mehr als einmal geholfen in schwierigen Situationen widerstreitende Interessen auszugleichen und zu Lösungen zu finden, die viel mehr waren als ein Formelkompromiss", sagte Salomon.
Helen Rose Wilson vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Gemeinden in Freiburg lobte den Freiburger Dekan. Er habe sich vor allem um die Gemeinschaft von Ordinierten und Laien bemüht. Und sie rief die anwesenden Geistlichen auf: "Nehmen sie sich den evangelischen Dekan zum Vorbild und arbeiten sie in der Freiburger Ökumene mit".
Dass die "Chemie stimmte" zwischen dem ehemaligen katholischen Stadtdekan Erich Wittner und dem scheidenden evangelischen Dekan, hob Schächteles katholischer Kollege im Ruhestand hervor. "Ihre Doktorarbeit zum 'Allgemeinden Pristertum bei Augustinus' habe ich mit Gewinn gelesen", sagte Wittner. Beiden sei die Einheit der Kirchen in "Versöhnter Verschiedenheit bei der man sich auch die Differenzen zumuten kann", wichtig gewesen. Der neue römisch-katholische Stadtdekan Claudio Stoffel überreichte Schächtele ein Buch das das Portal des Freiburger Münsters beschreibt ("Das Tor zum Leben"). In einem Gespräch mit Schächtele sei ihm in seiner kurzen Amtszeit (seit Ende Januar) "eine Dimension des Freiburger Münsters aufgegangen, die nicht nur in Kreisen der katholsichen Kirche sondern weit darüber hinaus von Bedeutung ist", sagte Stoffel. Und im Blick auf die Entwicklung der Ökumene meint er, dass "Gottes Geist in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten viel bewegt hat".
Auch Marliese Springmann die Vorsitzende der Freiburger Stadtsynode würdigte den scheidenden Dekan. Er sei "vor allem in Konfliktsituationen immer da gewesen". Zusammen mit der Dekanstellvertreterin Bärbel Schäfer, die für die Pfarrerschaft Grüße überbrachte und der Dekanatssekretärin Lisa Klump überreichte sie ein Geschenk.
Ab April wird Traugott Schächtele Professor für Theologie an der Evangelischen Fachhochschule in Freiburg und zugleich Beauftragter der badischen Landeskirche für die Aus- und Fortbildung von Prädikanten. Zu diesem Teil seiner neuen Aufgaben gehört auf die Leitung des landeskirchlichen Fortbildungszentrum in Freiburg.
Anfang März wird Landesbischof Fischer die Kandidaten und Kandidatin für die Wahl des neuen Dekans oder der neuen Dekanin benennen. Der Bischof hat laut Grundordnung der evangelischen Kirche das Vorschlagsrecht. Am 30 März wird dann die Stadtsynode mehrheitlich den neuen Dekan oder die neue Dekanin wählen
24. 2. 07
Die kompletten Manuskripte der Predigt und der Worte des Landesbischof sowie das Manuskript des Oberbürgermeisters können Sie hier downloaden (es gilt das gesprochene Wort):
Predigt des Dekans
Ansprache des Landesbischofs
Grußwort des Oberbürgermeisters
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